Molekulares Profil soll Diagnosen absichern

Die Krebsezellen erkennen, solange
sie noch in der Minderzahl sind
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Privatdozent Dr. Holger Sültmann, Abteilung Molekulare Genomanalyse im Deutschen Krebsforschungszentrum, hat einen aussichtsreichen Ansatz entdeckt, um Prostatakarzinome in Zukunft sicherer erkennen und möglicherweise ihre Aggressivität frühzeitig einschätzen zu können. Sültmann und seine Mitarbeiter verglichen die Genaktivität histologisch unauffälliger Gewebeanteile aus der Vorsteherdrüse von Prostatakrebspatienten mit der Genaktivität im Prostatagewebe gesunder Männer.

Die Wissenschaftler vermuteten, dass bei erkrankten Personen bestimmte Veränderungen im Genaktivitätsmuster einer histologisch sichtbaren Veränderung der Prostatazellen vorausgehen. Dabei kristallisierte sich ein Muster an Genaktivitäten heraus, das wahrscheinlich ein sehr frühes Stadium der bösartigen Zellveränderungen kennzeichnet. Derzeit wird die Aussagekraft dieses Aktivitätsmusters an einem größeren Patientenkollektiv abgesichert. Voraussichtlich noch dieses Jahr kann mit der klinischen Erprobung des neuen Diagnoseverfahrens begonnen werden.

In einer zweiten Studie verglichen die Wissenschaftler bei 30 Prostatakrebspatienten die Aktivität von Genen im Tumorgewebe und angrenzenden gesunden Gewebe. Aus den insgesamt 324 Genen, bei denen Expressionsunterschiede festgestellt wurden, wählten die Forscher anhand mathematischer und zellbiologischer Kriterien zwölf Kandidaten, deren Aktivität besonders stark (teilweise bis zu achtfach) vom Normalgewebe abweicht. Diese zwölf reichen aus, um Krebs sicher zu erkennen. Eine Funktionsanalyse ergab, dass einige der zwölf Genprodukte das Invasionsverhalten der Tumorzellen mitbestimmen. Die meisten der zwölf Gene waren vorher noch nicht mit Prostatakrebs in Zusammenhang gebracht worden.

"Bei Prostatakrebs werden Verbesserungen der Diagnostik dringend erwartet, aussagekräftige Tests auf molekularbiologischer Basis fehlen bisher“, erläutert Sültmann.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum