Molekulares Schutzschild des Aids-Erregers

Foto: Aids-Virus unter dem Mikroskop

Aus dem Aids-Erreger ragen Stach-
eln heraus, die für den Virus beson-
ders wichtige Strukturen vor den
Antikörpern abschirmen;
© panthermedia.net / Sebastian
Kaulitzki

Der Aids-Erreger HIV sieht aus wie ein Ball, aus dem ungefähr ein Dutzend winzige Stacheln ragen. Diese Stacheln, die Hülleiweiße des Virus, sind gleichzeitig Waffe und Schwachpunkt. Einerseits braucht der Erreger sie, um in die Wirtszellen einzudringen und sich anschließend dort zu vermehren. Andererseits bieten diese Stacheln eine Angriffsfläche: Die Antikörper, die unser Immunsystem herstellt, um den Aids-Erreger zu neutralisieren, richten sich alle gegen bestimmte Teile der Stacheln.

Um den Antikörpern zu entgehen, verändert sich das Virus im Körper des Patienten laufend. Daher muss das Immunsystem auch immer neu angepasste Antikörper herstellen. „Ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Alexandra Trkola vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Zürich. Mit Kollegen vom Universitätsspital Zürich und der ETH Zürich hat ihr Team in einer soeben erschienenen Studie nachgewiesen, dass die Stacheln molekulare Schutzschilde besitzen, die für den Virus besonders wichtige Strukturen vor den Antikörpern abschirmen.

Diese Schutzschilde bestehen aus zwei benachbarten, flexiblen Bereichen eines Hülleiweißes, die sich wie lose Schlingen um die Stacheln winden. Wenn diese Schlingen fehlen, so ist das menschliche Immunsystem problemlos in der Lage, das Virus zu hemmen, wie das Team um Trkola in Versuchen mit gentechnisch veränderten Viren herausgefunden hat.

Zudem war die genaue Position dieser Schlingen bisher unbekannt. Die Forschenden um Trkola haben einen völlig anderen Ansatz gewählt: Sie haben den Stachel, der normalerweise aus drei identischen Eiweißen zusammengesetzt ist, mit zwei unterschiedlichen, gentechnisch veränderten Varianten des Hülleneiweißes – eine mit und eine ohne die schützenden Schlingen – rekonstruiert und so nachweisen können, dass die schützenden Schlingen bis zum Nachbareiweiß reichen.

„Das liefert uns einen besseren Anhaltspunkt, wo sich die Schlingen befinden“, sagt Trkola. Das Wissen um die genaue Position der Schutzschilde ist wichtig im Hinblick auf die Entwicklung eines Impfstoffes, mit dem man der Erkrankung an Aids vorbeugen könnte.



MEDICA.de; Quelle: Schweizerischer Nationalfonds SNF