Multiresistente Erreger wollen die Welt erobern

Bakterien sind überall: auf der Haut, im Darm und in jeder Pfütze. Die meisten, die sich auf dem menschlichen Körper tummeln, sind gut. Jedoch nicht alle. Am gefährlichsten sind die Erreger, die Resistenzen aufweisen und so nur sehr schwer zu bekämpfen sind. Ihre Verbreitung bedroht dann Menschen auf der ganzen Welt.

01/08/2014

 
Grafik: Kugelförmige Bakterien; Copyright: panthermedia.net/royaltystockphoto

Zu den am häufigsten vorkommenden multiresistenten Erregern gehören MRSA, ESBL bildende K. pneumoniae und E. coli sowie VRE; ©panthermedia.net/ royaltystockphoto

Multiresistente Erreger (MRE) entstehen meistens durch falschen Umgang mit Antibiotika. Im Normallfall kann das Immunsystem unseren Körper vor Keimen, die ständig auf und in ihm vorhanden sind, erfolgreich schützen. Sobald der Körper jedoch angeschlagen oder verletzt ist, steigt das Risiko einer Infektion. Wenn es dazu kommt, werden oft Antibiotika angewendet. Jedoch nur die richtige Dosierung und Einnahmedauer dieser Medikamente können Erfolge in der Therapie bringen.

Wenn Antibiotika zu schnell abgesetzt werden, kann es sein, dass noch nicht alle Keime abgetötet wurden. Die, die überlebt haben, bauen eine Resistenz gegen das gegebene Antibiotikum auf, vermehren sich und geben ihre Unempfindlichkeit an die nächste Generation weiter. Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier in den letzten Jahren haben sich einige Bakterien so verändert, dass sie gegen viele der gängigen Antibiotika resistent sind. Sie sind zu multiresistenten Erregern geworden.

MRE in Deutschland

Laut einer Studie der europäischen Gesundheitsbehörde European Centre for Disease Prevention and Control, kurz ECDC, ist die Infektionsgefahr in deutschen Kliniken deutlich geringer als in vielen Nachbarländern und beträgt circa fünf Prozent. Die Studie zeigt jedoch auch, dass ein erheblicher Mangel an geschulten Fachkräften besteht, die Hygienestandards sicherstellen. Deshalb empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. Bildung eines interdisziplinären Antibiotic Steward Ship (ABS) Teams, wie sie beispielsweise in den USA, den Niederlanden oder in Schweden bereits etabliert sind. Das Team besteht aus einem Infektiologen, einem Fachapotheker sowie Fachärzten für Mikrobiologie des Krankenhauses. Zu den Aufgaben eines ABS-Teams gehört die Entwicklung lokal einsetzbarer Leitlinien zum Antibiotikaeinsatz im Haus. Außerdem sorgt es für die Aufklärung und Fortbildung des Personals und erhebt Daten zum Antibiotikaverbrauch und Infektionsraten in den Kliniken.

Auch bei der Händedesinfektion besteht Aufholbedarf in deutschen Krankenhäusern, die sich hier im europäischen Vergleich im Mittelfeld befinden. Schuld ist laut Studie der Mangel an sorgfältig und regelmäßig geschultem Personal. Deshalb verpflichtet ein 2011 beschlossenes Gesetz zur Krankenhaushygiene die Bundesländer zur Einführung einer Hygieneverordnung. Somit ist der Einsatz von Hygienefachkräften gesetzlich vorgeschrieben.
Foto: Arzt beim Händewaschen; Copyright: panthermedia.net/Piotr Marcinski

Immer noch zu viele Krankheitserreger werden durch die Hände des Krankenhauspersonals übertragen. Händedesinfektion spielt eine enorm große Rolle bei der Vermeidung von Infektionen; ©panthermedia.net/ Piotr Marcinski

MRE international

Im April 2014 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO einen umfangreichen Bericht zur weltweiten Verbreitung von multiresistenten Erregern. Daten aus 114 Ländern wurden ausgewertet und ergaben ein ernsthaftes Bild der Lage in allen Regionen der Welt. Sowohl in Afrika als auch auf den beiden Amerikakontinenten stellt vor allem der Staphylococcus aureus, der gegen Methicillin resistent ist (MRSA), eine explizite Bedrohung dar. Außerdem wird die signifikant wachsende Escherichia coli- und Klebsiella pneumoniae-Resistenz als besorgniserregend genannt.

In vielen europäischen Ländern gibt es laut des Berichts nationale und internationale Surveillance-Systeme, die regelmäßig Daten zu Antibiotikaresistenzen erheben und analysieren und auf diese Weise die Verbreitung der Resistenzen vergleichbar gut unter Kontrolle haben. Schwachstellen gibt es dennoch, vor allem in den östlichen Regionen. Aus diesem Grund wurde das Netzwerk Central Asian and Eastern European Surveillance of Antimicrobial Resistance (CAESAR) gegründet. Dies steht vor der Aufgabe, neue Systeme in den betreffenden Ländern zu entwickeln, damit man die gesammelten Informationen weltweit vergleichen kann.

Über die Grenzen hinweg

In Zeiten der unbegrenzten Reisemöglichkeiten kennen auch multiresistente Erreger keine Grenzen. Deshalb arbeiten viele deutsche Kliniken mit benachbarten Krankenhäusern im Ausland und versuchen so die Infektionsraten unter Kontrolle zu behalten. Denn fast in jedem einzelnen Land gelten andere Leitlinien und Empfehlungen zum Umgang mit Antibiotika und multiresistenten Keimen. So arbeiten Forscher aus Deutschland und den Niederlanden bereits seit einigen Jahren zusammen und entwickeln im Projekt EurSafety Health-net verschiedene Strategien, um die Ausbreitung der Keime in Krankenhäusern zu minimieren. Auf der anderen Seite fing im Mai 2014 in Greifswald die Zusammenarbeit mit dem polnischen EMC Medical Institute an. Ziel ist eine grenzübergreifende Kooperation für ein gemeinsames MRE-Management.

Multiresistente Erreger stellen eine ernstzunehmende Bedrohung für Menschen auf der ganzen Welt dar. Um diese Gefahr zu minimieren, ist ein bestimmungsgemäßer und fachgerechter Umgang mit Antibiotika zu beachten. Außerdem sind spezifische Hygienemaßnahmen in der Medizin extrem wichtig, um die Verbreitung der Keime und ihrer Resistenzen zu kontrollieren. Jedoch nicht nur Institutionen wie Krankenhäuser und ihr Personal müssen bestimmte Hygienevorschriften einhalten. Mit einfachem Händewaschen und genauem Befolgen ärztlicher Anweisungen bei Antibiotika-Einnahme hilft jeder von uns, die Ausbreitung der gefährlichen Keime im Griff zu behalten. Und zu verhindern, dass sie unsere Welt erobern.
Foto: Michalina Chrzanowska; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Der Artikel wurde geschrieben von Michalina Chrzanowska.
MEDICA.de