Muskelproteine an der Transkription im Zellkern beteiligt

Lassen nicht nur die Muskeln
spielen: Aktin und Myosin
© Hemera

Zusammen mit Forschern aus Chicago, Prag und Heidelberg hat Professorin Dr. Ingrid Grummt, Leiterin der Abteilung Molekularbiologie der Zelle II im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit einem biologischen Dogma aufgeräumt, das die physiologische Rolle der Proteine Aktin und Myosin auf die Muskelkontraktion und ihre Funktion als innerzelluläre Stützelemente beschränkte.

"Dies ist ein molekularbiologischer Durchbruch, der unser Denken über den Transkriptionsprozess revolutioniert", so Grummt. Für die Krebsforschung sind die Ergebnisse von Bedeutung, da in Krebszellen die Transkriptionsaktivität abnormal erhöht ist. "Wenn wir lernen zu verstehen, wie dieser Prozess in einer normalen Zelle reguliert ist, können wir gezielt untersuchen, was in Tumorzellen schief läuft und darauf aufbauend Ziele für therapeutische Ansätze suchen", erklärt Grummt.

Mit Antikörpern, die sich spezifisch gegen die beiden Proteine richten, hemmten die Forscher die Transkription von Genen, die für die Produktion von Ribosomen, den Eiweiss-Syntheseapparaten der Zelle, erforderlich sind. Die antikörperbedingte Blockade der Transkription konnte durch Hinzufügen der Proteine wieder aufgehoben werden.

"Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Muskelproteine direkt mit dem Schlüsselenzym der Transkription, der RNA Polymerase, assoziiert sind und Energie liefern, die notwendig ist, damit die RNA Polymerase an der richtigen Stelle andocken und die Gensequenzen ablesen kann", erklärt die Molekularbiologin.

Grummt favorisiert die Hypothese, dass ein Komplex aus Myosin und einem essentiellen Transkriptionsfaktor an RNA Polymerase bindet und dadurch eine Strukturveränderung der Polymerase bewirkt. Aktin scheint sowohl den Start als auch den weiteren Verlauf der Transkription zu beeinflussen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)