Bild: Plasmodium vivax 
Erbliche Bluterkrankungen
sind im Kampf gegen Malaria
von Vorteil; © PHIL

Täglich sterben in Afrika über 5000 Kinder an Malaria. Todesursache sind lebensbedrohliche Komplikationen der Erkrankung: akute, schwerste Blutarmut sowie Koma durch Parasitenbefall des Gehirns.

In der bisher größten Studie zur Infektionsgenetik der Malaria haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Mutationen im menschlichen Genom vor Malaria schützen. "Unsere Ergebnisse machen außerdem deutlich, dass die lebensbedrohlichen Komplikationen der Malaria offenbar als voneinander unabhängige Phänomene betrachtet werden können," erläutert Studienleiter Professor Rolf Horstmann vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. "Diese neue Erkenntnis ist sehr wichtig für unsere Bemühungen, solche Komplikationen gezielt zu behandeln und ihr Auftreten zu verhindern."

Die untersuchten Mutationen verursachen Sichelzellanämie und Thalassämien, die häufigsten Erbkrankheiten des Menschen überhaupt. Sie können zu schweren Erkrankungen des Bluts führen, vermitteln aber gleichzeitig einen Schutz vor tödlichen Malariakomplikationen.

Die Studie mit über 2500 lebensbedrohlich erkrankten Kindern, förderte zu Tage, dass die Schutzwirkung dieser Mutationen unerwartet spezifisch ist. "Je nachdem, an welcher Stelle das Gen verändert ist, werden jeweils andere Komplikationen der Malaria verhindert," so der Infektionsepidemiologe Dr. Jürgen May, der die Studienergebnisse auswertete.

Bei Menschen mit der Sichelzellmutation "HbS" wird die Vermehrung der Parasiten in den roten Blutkörperchen gehemmt. Träger einer anderen Mutation desselben Gens ("HbC") sind dagegen speziell vor Koma geschützt und Menschen mit Thalassämie speziell vor der tödlichen Blutarmut.

Das gehäufte Vorkommen von Sichelzell-, HbC- und Thalassämie- Mutationen bei Bewohnern von Malariaregionen ist daher wohl kein Zufall, sondern ein Paradebeispiel der Evolution: Der Überlebensnachteil der erblichen Bluterkrankungen wird durch den Überlebensvorteil bei der Malaria ausgeglichen.

MEDICA.de; Quelle: Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin