Hygiene: Nützliche Bakterien im Krankenhaus

25.06.2013
Foto: Intensivstation

Unter den Bakterien auf einer Inten-
sivstation endeckten Forscher auch zahlreiche Nützlinge; © pantherme-
dia.net/Yuriy Klochan

Im Rahmen der Kooperation BioTechMed untersuchten Forscher Bakteriengemeinschaften auf einer Intensivstation am Grazer Uniklinikum. Das Ergebnis: Die tatsächliche Vielfalt der Mikrobiome ist auch in einer vermeintlich weitgehend sterilen Umgebung wie einer Intensivstation viel größer als angenommen.

„Wer bei Bakterien im Krankenhaus sofort an gefährliche Erreger denkt, irrt: Wir haben eine überraschend hohe Anzahl an Nützlingen nachgewiesen“, betont Gabriele Berg von der Technischen Universität Graz.

Das Fazit der Wissenschaftler ist also nicht, mehr Sterilität zu fordern – im Gegenteil: „Die Nützlinge im Krankenhaus-Mikrobiom stellen sich potenziellen Krankheitserregern entgegen und sind daher zu fördern“, erläutert Berg. Bisherige Hygiene- und Sterilitätsmethoden unterscheiden aber nicht zwischen wünschenswerten und gefährlichen Bakterien. „Es braucht daher ein anderes Verständnis von Sterilität und eine neue Bewertung bisheriger Hygienemaßnahmen im Krankenhausbetrieb“, so Berg.

Erst die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der DNA-Sequenzierung ermöglicht den Grazer Forschern die spektakulären Einblicke in die Vielfalt der Mikrobiome, also jener Mikroorganismen, die den menschlichen Körper besiedeln. „Vor rund 15 Jahren mussten Bakterien mühsam und langwierig im Labor kultiviert werden, um überhaupt nachweisbar zu sein. Damit konnten wir nur einen verschwindend geringen Teil, nämlich weniger als drei Prozent, der tatsächlichen bakteriellen Vielfalt erfassen“, schildert Berg.

Moderne Analysemethoden, die sich der Hochdurchsatzsequenzierung der DNA bedienen, machen deutlich: Die Anzahl an Mikroorganismen, die einen Menschen besiedeln, übertrifft die Zahl der Zellen im menschlichen Körper um das mindestens Zehnfache. „Mikroorganismen sind überall, selbst in vermeintlich sterilen Umgebungen wie der menschlichen Lunge“, so Berg.

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität Graz