Nachhaltige Therapie bisher resistenter Tumorarten

Foto: Weidenrinde und künstliche Sturkturformel

Zweig der afrikanischen Buschweide,
in deren Rindensaft der Naturstoff
Combretastatin-A (CA) enthalten ist.
Darunter die Strukturformel der neuen
CA-Analoga, die eine neue Wirkstoff-
klasse darstellen. Sie werden voll-
synthetisch hergestellt; © Rainer Schobert

Die neue Entwicklung ist aus einer Zusammenarbeit mit Doktor Thomas Müller an der Klinik für Innere Medizin IV der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hervorgegangen.
Die neue Wirkstoffgruppe basiert auf dem Naturstoff Combretastatin-A (CA), der in der Krebstherapie seit einigen Jahren in Kombination mit anderen Mitteln verwendet wird. Die neuen Wirkstoffe lehnen sich in ihrer Struktur zwar an CA an, werden jedoch in wenigen Schritten vollsynthetisch hergestellt. Hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit, Verträglichkeit und Effektivität sind sie CA bei der Tumorbekämpfung weit überlegen. Sie übertreffen die antitumorale Wirkung und sind so optimiert, dass dessen Nachteile entfallen. Die neuen Wirkstoffe besitzen zusätzliche Eigenschaften, die für eine erfolgreiche und dauerhafte Bekämpfung von Tumorerkrankungen unabdingbar sind. Die in Tierversuchen, an Krebszelllinien und an Gefäßmodellen gewonnenen Erkenntnisse, geben Anlass zu der Hoffnung, dass auf der Basis der neuen Substanzen ein Medikament entwickelt werden kann, welches allein besonders widerstandsfähige solide Tumore vollständig zerstört und dabei gesunde Körperzellen weitestgehend verschont.

Seit Längerem ist bekannt, dass CA gezielt die Blutgefäße in Tumoren angreift und allmählich zerstört, während alle anderen Blutgefäße von dieser sog. anti-vaskulären Wirkung verschont bleiben. Insofern gilt CA als ein geeigneter Wirkstoff, um Tumore gleichsam auszuhungern.

Doch CA hat dabei auch nachteilige Eigenschaften. Es über eine nur geringe chemische Stabilität und Wasserlöslichkeit. Vor allem aber ist CA als alleiniger Wirkstoff für die Tumorbekämpfung ungeeignet, da es nicht die Krebszellen selbst abtötet. Deshalb verbleiben, auch nachdem ein Großteil der Tumormasse infolge der Gefäßzerstörung geschrumpft und abgestorben ist, meist noch Krebszellen im Randbereich. Sie können den Ausgangspunkt für ein erneutes Rezidiv bilden. Infolgedessen eignet sich CA nur in Kombination mit anderen Arzneimitteln für die Krebstherapie.

Die CA-Analoga, die das Forschungsteam um Schobert entwickelt hat, sind dem Naturstoff CA in allen diesen Punkten überlegen. Sie sind eigenständige Wirkstoffe mit neuem Eigenschaftsprofil, gut in Wasser und in Serum löslich. Zudem verfügen sie über eine hohe chemische Stabilität. Es ist aufgrund der bisherigen Forschungsarbeiten sehr wahrscheinlich, dass etwaige künftige Medikamente, die auf der Basis der neuen Wirkstoffklasse hergestellt werden, oral verabreicht werden können.


MEDICA.de; Quelle: Universität Bayreuth