Die Hypertonie ist einer der wichtigsten Risikofaktoren kardiovaskulärer Erkrankungen. Inzwischen verfügt die Medizin über effektive antihypertensive Wirkstoffe, die nur einmal täglich eingenommen werden müssen. Leider ist die Compliance der Patienten nicht immer die beste. Dies ist einer der Gründe dafür, warum bei zahlreichen hypertensiven Patienten der Blutdruck nur ungenügend eingestellt werden kann. Wie gut die Compliance wirklich ist, klärte nun eine internationale Wissenschaftlergruppe mit der Hilfe einer ausführlichen Datenbankrecherche.

In die Analyse flossen klinische Studien zur Medikamenten-Compliance aus den Jahren 1989 bis 2006 ein. Insgesamt 4.783 Patienten hatten an den 21 untersuchten Studien teilgenommen, bei denen es immer um antihypertensive Wirkstoffe ging, die einmal täglich einzunehmen waren. Gegenstand der Untersuchung waren 43 unterschiedliche Wirkstoffe, einschließlich Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, Kalziumkanalblocker und andere.

Etwa die Hälfte aller Patienten, denen ein solcher antihypertensiver Wirkststoff verschrieben worden war, nahmen diesen nach spätestens einem Jahr nicht mehr ein, auch wenn dieses Medikament nur einmal täglich genommen werden musste. Selbst jene Patienten, die sich im Großen und Ganzen an das Einnahmeschema hielten, „vergaßen“ etwa zehn Prozent der Pillen. In 42 Prozent dieser Fälle wurde das entsprechende Medikament nur an einem Tag nicht eingenommen, aber am folgenden Tag wieder wie gewohnt. In weiteren 43 Prozent jedoch ließen die Patienten den Wirkstoff mehrere Tage hintereinander aus.

Etwa jeder zweite Patient nahm sich mindestens einmal pro Jahr für mehrere Tage eine solche Auszeit von den Pillen. Je nachlässiger die Patienten insgesamt mit der Einnahme der Pillen waren, desto häufiger das Risiko, dass sie bereits frühzeitig ihre Pillen überhaupt nicht mehr einnahmen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 1114-1117