Auf der ganzen Welt infizieren sich immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit Viren, die durch Blut übertragen werden. Hier sind besonders das Hepatitis-B-Virus (HBV), das Hepatitis-C-Virus (HCV) und natürlich HIV zu nennen. Einer der häufigsten Übertragungswege sind Nadelstichverletzungen. Wie hoch die Gefahr für die Mitarbeiter tatsächlich ist, hängt stark von der Prävalenz eines bestimmten Virus bei den Patienten ab und somit von der Häufigkeit eines potentiell zur Infektion führenden Kontaktes mit solchen Patienten. In Deutschland kommt es jedes Jahr zu schätzungsweise 500.000 Nadelstichverletzungen, die Folgekosten von 50 Millionen Euro pro Jahr nach sich ziehen.

Deutsche Wissenschaftler haben nun untersucht, wie oft sich Mitarbeiter des Gesundheitswesens bei ihrer Arbeit versehentlich mit Nadeln stechen. Dazu durchforsteten sie die bestehende Literatur zu diesem Thema und werteten eine neue, anonyme Fragebogenaktion am Universitätskrankenhaus Frankfurt aus. Demnach haben sich 503 von 1.598 Befragten in den vergangenen zwölf Monaten mindesten einmal versehentlich mit einer Nadel gestochen. Das entspricht 31,5 Prozent aller Befragten.

Am häufigsten stechen sich Mitarbeiter in der Chirurgie (46,9 Prozent). Auf den „weiteren Plätzen“: HNO (43,5 Prozent) und Innere Medizin (40,2 Prozent). Wesentlich ungefährdeter sind Mitarbeiter in der Radiologie (19,7 Prozent) und Pädiatrie (18,7 Prozent).

Wie nicht anders zu erwarten geschehen die meisten Nadelstichverletzungen bei der venösen Blutabnahme (22,4 Prozent) und bei der kapillaren Blutabnahme (19,4 Prozent). Nur jeweils 1,0 Prozent aller Nadelstichverletzungen gehen auf das Konto von intravenösen Injektionen und Biopsien.

Vor diesem Hintergrund fordern die Studienleiter, Nadelstichverletzungen lückenlos zu erfassen, um solchen Verletzungen besser vorbeugen zu können.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Ärzteblatt 2007, Vol. 104, S. A3102-3107