Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft

Eine Studie des Lehrstuhls für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München (TUM) weist auf Wissenslücken hin: Demnach nehmen Schwangere Nahrungsergänzungspräparate teilweise zu spät oder gar nicht ein, während bei anderen Mikronährstoffen zum Teil ungewollte Überdosierungen auftreten.

Eine abwechslungsreiche Ernährung in der Schwangerschaft genügt nach dem Stand der Forschung in der Regel, um für ein gesundes Wachstum des ungeborenen Kindes zu sorgen. Bei Folat und Jod sowie bei Eisen sieht das anders aus: Hier ist eine Mangelversorgung in der Schwangerschaft nicht auszuschließen. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften eine Nahrungsergänzung mit Jod und Folsäure, bei Eisenmangel zusätzlich die Einnahme von niedrig dosierten Eisenpräparaten.

„Viele schwangere Frauen und ihre Ärzte sind trotz der bestehenden Empfehlungen unsicher über einen sinnvollen Einsatz von Supplementen“, erklärt Professor Hans Hauner, Ernährungsmediziner. In einer Befragung untersuchte sein Team die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln vor und während der Schwangerschaft. Dazu wurden 522 Wöchnerinnen in den ersten drei Tagen nach der Entbindung.

97 Prozent der Befragten hatte in der Schwangerschaft mindestens ein Supplement eingenommen, fast zwei Drittel sogar schon vorher. Die Mengen variierten in der Untersuchungsgruppe jedoch enorm: Die Folsäureeinnahme schwankte zwischen 0,2 und 5 mg pro Tag, bei Eisenpräparaten zwischen 4 und 600 mg am. Alter, Bildungsgrad, ethnische Abstammung und Zahl der Schwangerschaften hatten dabei kaum Einfluss auf das generelle Supplementierungsverhalten.

„Die Details stimmen nachdenklich – etwa bei der Einnahme von Folsäure, die Neuralrohrdefekte beim Ungeborenen verhindern kann“, so Hauner. Zwar hatten über 85 Prozent der befragten Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel Folsäure geschluckt. Allerdings war nur ein gutes Drittel der Empfehlung gefolgt, mindestens vier Wochen vor einer Schwangerschaft mit einer 0,4 mg-Supplementierung pro Tag zu beginnen. Die Einnahme erfolgte also in vielen Fällen zu spät – dafür dann nicht selten zu hoch dosiert:

„In Anbetracht der unklaren Forschungslage zu Nebenwirkungen von überdosierten Supplementen gilt in der Schwangerschaft bei bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln womöglich: weniger ist mehr“, fasst Hauner die Ergebnisse zusammen. „Folsäure und Jod sollten Frauen mit Kinderwunsch jedoch unbedingt in der empfohlenen Dosis ergänzen.“


MEDICA.de; Quelle: Technische Universität München