Nahrungsergänzungsmittel regt Insulinausschüttung an

Was passiert, wenn jemand die Substanz über viele Jahre einnimmt, ist nicht abzusehen, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine denkbare Folge: Diabetes. Die aktuelle Studie wird am 8. April in einem Fachmagazin veröffentlich werden.

„Viele Leute schlucken große Mengen dieser Substanzen, weil sie glauben, dass sie ihnen gut tun“, sagt Professor Evi Kostenis. „Aber wie wir jetzt gesehen haben, beeinflussen konjugierte Linolsäuren auch die Bauchspeicheldrüse. Es ist gut möglich, dass die Zellen dadurch auf Dauer Schaden nehmen.“

Konjugierte Linolsäuren, CLA abgekürzt, sind bestimmte Arten von Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorkommen. Hoch dosierte Kapseln dieser Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten und lassen sich im Internet bestellen. „Sie werden quasi als Allheilmittel angepriesen“, erläutert Kostenis. „Sie sollen Fett verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen, sogar Krebs vorbeugen.“ Die Werbung verspricht viel, doch endgültig bewiesen ist bisher keine dieser Wirkungen.

Einige klinische Studien haben hingegen bereits gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln. „Jetzt kennen wir auch den Mechanismus, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken“, sagt die Wissenschaftlerin.

Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an − ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden vermehrt Insulin aus. Das haben die Forscher an Mäuse- und an Menschenzellen gezeigt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn derjenige konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch hingegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, da sie keine so hohen Mengen enthalten.

„Wir wissen nicht, ob Menschen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen schlucken, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln“, so Kostenis. Denkbar ist auch das Gegenteil: Vielleicht tut den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation gut. Möglicherweise eignen sich CLA damit auch als Arzneimittel gegen Diabetes Typ II. Das alles müssen zukünftige Studien erst zeigen. „Bisher wollen wir nur sagen: Leute, passt auf!“ mahnt Kostenis. „Diese Substanzen wirken wie ein Arzneimittel und sind damit nicht ungefährlich.


MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn