Narkosetiefe bestimmen

Foto: Anästhesie

Das Elektromyogramm (EMG) zeigt ein bevor-
stehendes Erwachen des Patienten früher
an; © panthermedia.net/Tyler Olson

„Wir überwachen bei einigen unseren Operationen durch ein Neuromonitoring die Muskelaktivität der Schlund- und Rachenmuskeln“, sagt Strauss. Bei bestimmten Operationen an der Schädelbasis (wie etwa beim Akustikusneurinom) verwendeten die Ärzte dieses Verfahren bisher, um bei den Eingriffen die Schädigung der dazugehörigen Nerven im Operationsfeld zu verhindern. Weltweit einzigartig ist in Halle dabei die lückenlose automatisierte Computerüberwachung dieser Nerven.

„Wir beobachteten nun bei solchen Operationen, dass es unabhängig von einer durch die Operation bedingten Manipulation und ohne weitere Hinweise auf eine beginnende Aufwachreaktion bei einzelnen Patienten zu einer Aktivitätszunahme in den Schlund- und Rachenmuskeln kam“, so Strauss weiter. Die Ärzte stellten die Hypothese auf, dass diese Aktivitätszunahme eine unmittelbar bevorstehende Aufwachreaktion des Patienten frühzeitig ankündigen konnte und prüften nun gemeinsam mit den Anästhesisten bei 23 Patienten im Rahmen der geplanten Narkoseausleitung nach solchen Operationen dieses Phänomen und fanden unsere Beobachtung bestätigt. Das Elektromyogramm (EMG) zeigte im Durchschnitt vier Minuten früher als herkömmliche Monitoringverfahren ein bevorstehendes Erwachen des Patienten an.

Neben den möglicherweise gravierenden psychologischen Auswirkungen können die mit intraoperativer Wachheit verbundenen Patientenbewegungen gerade bei kritischen Operationen wie etwa am Gehirn oder Rückenmark zu einer schweren Schädigung des Patienten führen, sodass eine möglichst exakte Aussage über die Narkosetiefe einen sehr wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit leisten kann. Das dafür erforderliche System sollte robust und möglichst einfach zu bedienen sein. „Wir wollen ein Verfahren entwickeln, bei dem der Aufwand so gering wie möglich ist“, sagt Strauss. Die Sicherheit für den Patienten stehe dabei aber immer an erster Stelle.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Halle