Das behaupten Dr. Pietro Vernazza und seine Arbeitsgruppe vom St. Gallen Hospital in der Schweiz, nachdem sie eine kleine Studie mit 21 serodiskordanten Paaren durchgeführt haben. Diese Studie stellten sie jetzt bei der „International AIDS Society Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention“ vor. Bei allen Paaren war der Mann HIV-positiv und die Partnerin war HIV-negativ. Alle Paare wollten Kinder haben. Die Männer nahmen bereits antiretrovirale Medikamente ein, welche die Serum-HIV-Spiegel unterhalb der nachweisbaren Schwelle absenkten.

Um die Gefahr einer Infektion trotzdem noch weiter abzusenken, gaben die Wissenschaftler den Frauen, aber auch den Männern vor dem Geschlechtsverkehr zwei Dosen Tenovofir. Die Medikamente mussten jeweils 36 Stunden und noch einmal zwölf Stunden vor dem Geschlechtsakt eingenommen werden.

Nachdem alle Paare drei Versuche unternommen hatten, waren elf der 21 Frauen schwanger geworden. Nach insgesamt zehn Versuchen stieg die Zahl der Schwangerschaften auf 15. Dies sind weit höhere Zahlen, als man mit künstlichen Befruchtung erreichen könnte, so die Studienleiter. Drei Monate nach dem letzten ungeschützten Geschlechtsverkehr waren alle beteiligten Frauen HIV-negativ.

Das Risiko, den Partner mit HIV anzustecken, ist also bei vorbehandelten HIV-positiven Männern mit einer niedrigen HIV-Last sehr gering und kann durch Tenofovir noch weiter abgesenkt werden, schreiben die Studienleiter. Am schwierigsten dabei ist nach Aussagen der Studienleiter, die Paare davon zu überzeugen, dass diese Methode sicher ist. Zu tief sitzt die Furcht, sich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr anzustecken.

Zur Zeit laufen in Botswana, Thailand, Peru und Ecuador weitere Studien, die den Wert einer HIV-Prophylaxe vor dem Geschlechtsverkehr untersuchen sollen.

MEDICA.de; Quelle: 4th International AIDS Society Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention