Sicherheit: Nationales Monitoring von Vergiftungen

06/05/2014
Foto: Warnsymbol Gift

Das Bundesinstitut für Risikobewer-
tung (BfR) schlägt vor, Daten zu Vergiftungsursachen und -verläufen auf nationaler Ebene systematischer zu erfassen; © panthermedia.net/
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Die Kommission „Bewertung von Vergiftungen“ am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums vor, Daten zu Vergiftungsursachen und -verläufen auf nationaler Ebene systematischer zu erfassen.

„In den fünf Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Kommission zusammen mit den deutschen Giftinformationszentren dazu beigetragen, das Risiko von Vergiftungsunfällen vor allem bei Kindern wesentlich zu reduzieren“, sagt BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel. „Umso wichtiger ist es, diese Arbeit durch eine regelmäßige deutschlandweite Dokumentation mit einem nationalen Vergiftungsregister zu unterstützen.“ Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, um sie gezielter identifizieren und kommunizieren zu können. Anlässlich ihres Jubiläums weist die Kommission auch auf neue Risikogruppen und neue Produktrisiken hin.

In Deutschland gibt es bisher keine systematische Erfassung und Auswertung von Vergiftungen. Die bestehenden Datenerhebungen, wie beispielsweise in den Giftinformationszentren oder bei den Ärztlichen Mitteilungen bei Vergiftungen, sind noch nicht so ausgebaut und standardisiert, dass eine regelmäßige umfassende Statistik über Vergiftungsunfälle in Deutschland möglich wäre. Die BfR-Kommission empfiehlt daher, ein Nationales Monitoring von Vergiftungsunfällen einzurichten, so wie es bereits unter anderem in den USA, der Schweiz und Schweden üblich ist.

In Zusammenarbeit mit den Giftinformationszentren hat die Kommission ältere Menschen als bisher zu wenig beachtete Risikogruppe identifiziert. Im hohen Alter, bei bestimmten Erkrankungen und beginnender Demenz leidet der Geschmackssinn, und Ältere können versehentlich sogar größere Mengen schädlicher Substanzen aufnehmen als Kleinkinder. Bei älteren Menschen müssen deshalb mindestens gleichartige Vorsichtsmaßnahmen bei Vergiftungsrisiken ergriffen werden wie bei Kindern.

Zwei neuere Produktgruppen auf dem deutschen Markt bergen nach Bewertungen der Kommission beachtenswerte Gesundheitsrisiken, die möglicherweise noch an Bedeutung gewinnen. Flüssigwaschmittel in wasserlöslicher Folie, sogenannte Liquid Caps, können aufgrund ihres attraktiven Aussehens von Kindern leicht mit Süßigkeiten verwechselt werden. Die Caps enthalten hochkonzentrierte Waschmittel, die schon in kleinen Mengen zu Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot führen können.

Das BfR hat den Herstellern empfohlen, diese Produkte für Kinder weniger anziehend zu gestalten. Auch die neuen Lithium-Knopfzellen für Kleinelektrogeräte bergen wegen ihrer höheren Spannung, Energiedichte und ihrem Durchmesser von circa 22 mm ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko als die bisherigen kleineren Knopfzellen. Größenbedingt bleiben die Lithiumzellen leichter in der Speiseröhre stecken und können dort durch den hohen Entladestrom verbrennungsartige Symptome mit schwerer Organschädigung verursachen. Im Ausland sind bereits zahlreiche schwere Verläufe und Todesfälle durch diese neuen Knopfzellen bekannt geworden.

Eine umfangreiche Wiederbewertung der ersten deutschen Giftpflanzenliste der Kommission auf der Basis von neueren Vergiftungsunfällen zeigt, dass Giftpflanzen weniger gefährlich sind als bisher angenommen wurde.

Das BfR hat eine neue App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ entwickelt. Die App enthält Hinweise zu Inhaltsstoffen von chemischen Produkten, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen, dem Vergiftungsbild und den Maßnahmen zur Ersten Hilfe. Durch die Möglichkeit, mit Hilfe der App jederzeit direkt den nächstgelegenen Giftnotruf anzuwählen, kann im Vergiftungsfall umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

MEDICA.de; Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung