Naturstoff zerstört Tumor im Tiermodell

Foto: Forscher mit Reagenzglas

Im Labor untersuchten die Forscher
unterschiedliche Substanzen auf ihre
Wirksamkeit; © Meister/Pixelio.de

Grundlage für diese Ergebnisse war eine Beobachtung des Mediziners Nisar Malek: Er untersucht seit einiger Zeit die Rolle eines speziellen Proteins - eines so genannten Cyclin-Kinase-Hemmers - bei der Krebsentstehung. Dabei hat Malek festgestellt, dass Mäuse, bei denen er durch genetische Veränderung den Abbau des Kinase-Hemmers unterdrückt hat, ein deutlich verringertes Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken. "Ich brauchte also eine Substanz, die den Abbau des von mir untersuchten Proteins in den Krebszellen verhindert", umreißt Nisar Malek seine Schlussfolgerung.

Mit seinen Überlegungen wandte Nisar Malek sich an einen Chemiker, mit dem zusammen er zahllose Substanzen testete. Sie speisten auch Naturstoffe in den biologischen Test ein, die im Boden lebende Mikroorganismen, die Myxobakterien, produziert hatten. Der myxobakterielle Wirkstoff Argyrin besaß die gesuchten Eigenschaften.

Nach dieser Erkenntnis starteten die Wissenschaftler ein umfangreiches Forschungsprogramm, um herauszufinden, wie Argyrin chemisch hergestellt werden kann und wie es wirkt. Dabei stießen sie auf einen völlig neuen Mechanismus. "Argyrin blockiert die molekulare Maschinerie der Zelle, mit der sie Proteine abbaut, die nicht mehr benötigt werden", erklärt Malek, "und damit natürlich auch den Abbau des fraglichen Kinase-Hemmers, dessen Fehlen Krebserkrankungen auslöst."

An Mäusen hat das Forscherteam die Wirkung des Argyrin bereits im Detail studiert: "Wenn wir krebskranke Tiere mit Argyrin behandeln", so Nisar Malek, "stellt der Tumor das Wachstum ein, er schrumpft um bis zu 50 Prozent und sein Inneres beginnt sich aufzulösen." Dabei seien bei den Tieren bisher kaum Nebenwirkungen festgestellt worden.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung