Nebenwirkungen oft nicht genau erforscht

Mehr Augenmerk auf Neben-
wirkungen; © NCI Visuals Online

"Ausgangspunkt unserer Überlegungen", erklärt Professor Dr. Winfried Rief von der Philipps-Universität Marburg, "war die Tatsache, dass bei zwanzig bis 25 Prozent aller zugelassenen Medikamente noch nach der Zulassung das Wirkprofil verändert werden muss, weil plötzlich bislang unbekannte Nebenwirkungen auftreten."

Die Arbeitsgruppe um Rief untersuchte über vierzig klinische Studien weltweit, darunter auch sehr aufwändige mit jeweils zwei mal 10.000 Patienten, von denen eine Gruppe Medikamente und die andere ein Placebo erhielt. Dabei betrachteten sie ausschließlich Studien zu Cholesterinsenkern, die etwa zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Hirnschlag verabreicht werden, da dies weltweit die bestuntersuchte Medikamentengruppe ist. "Außerdem haben wir nur die Placebo-Gruppen berücksichtigt, um sicherzustellen, dass unsere Ergebnisse unabhängig von der chemischen Wirkung der Medikamente sind."

In den betroffenen klinischen Studien zeigten sich gravierende Fehler. So wurden Alltagsbeschwerden wie Bauchschmerzen in einigen Studien wesentlich seltener berichtet als sie eigentlich nach der Wahrscheinlichkeit in der Bevölkerung hätten vorkommen müssen. Teilweise wurden Nebenwirkungen, die etwa als Folge von gesteigertem Kaffeekonsum auftraten, von Studienärzten ebenso wie Patienten auf das Medikament zurückgeführt, obwohl der betreffende Patient in der Placebogruppe war. Oftmals ist auch die Zahl der Studienteilnehmer zu klein, so dass zwar die Hauptwirkung des Medikaments noch sicher nachgewiesen werden kann, die Nebenwirkungen, die mit einer viel geringeren Wahrscheinlichkeit auftreten, jedoch nicht mehr.

Aus den Ergebnissen resultiert die Forderung Riefs an klinische Studien, dass die „Qualität der Mess- und Erfassungsinstrumente sowohl in Bezug auf die Haupt- als auch auf die Nebenwirkung eines Medikaments gleich hoch sein“ müsse.

MEDICA.de; Quelle: Philipps-Universität Marburg