Laut einer Studie der Uni Jena können sich Nervenzellen entgegen bisheriger Annahme innerhalb weniger Minuten neue Funktionen anderer Hirnregionen aneignen (Kortikale Plastizität). Gleichzeitig konnten die Jenaer erstmals zeigen, dass diese Veränderungen im Hirn mit intensiveren Funktionsfähigkeiten einzelner Körperbereiche verbunden sind.

Die Forscher simulierten eine Nervenblockade, indem sie drei Finger der Hand von Probanden betäubten. Innerhalb von Minuten wurde das nun "arbeitslose" Repräsentationsgebiet der betäubten Finger im Gehirn für benachbarte Regionen tätig. Bereits 30 Minuten nach der Betäubung verarbeiteten diese Hirnzellen Reize der benachbarten Regionen.

Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler eine Steigerung der Funktionsfähigkeit anderer Körperteile beobachten. Die Probanden konnten im Gesicht nun zwei ganz eng beieinander liegende Reize unterscheiden, die vor der Betäubung als eine einzige Berührung empfunden worden war. Zudem kam es zu Fehlern in der Übermittlung. Berührungen des kleinen Fingers wurden als Berührungen der betäubten Finger empfunden (Phantomschmerz).

"Wir konnten zeigen, dass sich eine solche funktionelle kortikale Plastizität nicht erst nach Wochen, sondern bereits nach wenigen Minuten vollziehen kann", so PD Dr. Thomas Weiss, Institut für Psychologie der Universität Jena.

Unsere Studie gibt Anregungen, wie wir diese Veränderungen zur Linderung des bisher schwer therapierbaren Phantomschmerzes einsetzen können", erklärt Koautor Dr. Winfried Meissner, Bereich für Anästhesiologie der Uniklinik Jena. Diese Erkenntnisse könnten jetzt für veränderte Therapien in der Rehabilitation eingesetzt werden.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena