Wie kann man Alkoholabhängigen am besten helfen? Diese Frage hat Generationen von Fachärzten beschäftigt, auch in Großbritannien. Dort sind geschätzte 11,9 Prozent der Männer und 2,9 Prozent der Frauen alkoholabhängig.

Gut erforscht und etabliert ist die „Motivational Enhancement Therapy“. Sie legt großen Wert auf einen alkoholzentrierten Therapieansatz: Die Motivation der Abhängigen, ihr Verhalten zu ändern, wird intensiv bearbeitet. Britische Wissenschaftler des „UK Alcohol Treatment Trial (UKATT)“ haben nun die „Social Behavior and Network Therapy“ mit der Motivational Enhancement Therapy verglichen in Bezug auf deren Effektivität. Die Social Behavior and Network Therapy geht einen etwas anderen Weg als die etablierte Therapie: Sie ist eher personenzentriert und beleuchtet das soziale Netzwerk des Alkoholabhängigen. Thema ist unter anderem, welche sozialen Bezüge zum Trinken verleiten und welche sozialen Bezugspersonen beim „Trockenbleiben“ helfen könnten.

An einer Studie, die die beiden Therapieansätze verglich, nahmen jetzt 52 Therapeuten teil, die randomisiert in einer der beiden Therapien geschult wurden. Danach rekrutierten die britischen Studienleiter 742 Alkoholabhängige, die randomisiert einem der Therapeuten und damit einer der beiden Therapien zugeordnet wurden. Während die Social Behavior and Network Therapy acht Therapiesitzungen zu je 50 Minuten umfasst, kommt die Motivational Enhancement Therapy mit drei Sitzungen aus.

Schönes Ergebnis der Studie: Beide Therapien sind gleich effektiv in Bezug auf die erreichte Alkoholabstinenz: Zwölf Monate nach Therapiebeginn waren 45 Prozent der Studienteilnehmer in beiden Gruppen trocken. Beschwerden, die im Zusammenhang mit Alkoholismus stehen, waren um die Hälfte zurück gegangen. Außerdem sparen beide Therapien ungefähr das Fünffache dessen an Gesundheitskosten ein, was sie selbst kosten.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 331, S. 541-548