Bild: Muskelgewebeprobe  
HLA-G tragende T-Zellen
innerhalb von Entzündungs-
zellen; © Feger et al.

Bei der Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten greift das Immunsystem die Strukturen des eigenen Körpers an. Der Organismus kann sich gegen derart selbstzerstörerische Handlungen wehren - so genannte regulatorische T-Zellen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sorgen im Normalfall dafür, dass das Immunsystem dem eigenen Körper gegenüber tolerant bleibt und ihn nicht attackiert. Bislang kannte die Wissenschaft von diesen Zellen drei Haupttypen - sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie das Immunsystem in Schach halten.

Das Team von Professor Heinz Wiendl aus der Würzburger Neurologischen Universitätsklinik hat nun einen neuen Zelltyp aus dem Blut isoliert. Seine Besonderheit: Er trägt auf der Oberfläche ein Protein namens HLA-G, dem die Forscher eine starke immunhemmende Funktion zusprechen. Zellen, die dieses Protein besitzen, unterdrücken in der Regel die Teilung anderer Zellen - und mittels Zellteilung vermehrt auch das Immunsystem seine Truppen, wenn es mobil macht.

"Der neu identifizierte T-Zell-Typus scheint eigenständig zu sein, weil er mit den bislang bekannten anderen Typen keine Gemeinsamkeiten hat", so Wiendl. Interessanterweise lasse er sich schon in der Thymusdrüse nachweisen, wo alle T-Zellen heranreifen und für ihre Aufgaben ausgebildet werden. "Darum kann man annehmen, dass es sich hier um eine eigenständige Zell-Linie des Immunsystems handelt", sagt der Würzburger Professor.

Der neue Zelltyp scheint bei der Entstehung entzündlicher Erkrankungen eine Rolle zu spielen. So ist etwa bei Multiple-Sklerose-Patienten, wenn sie einen akuten Krankheitsschub durchmachen, der neue Zelltyp in der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit in deutlich größerer Zahl vorhanden als unter normalen Umständen. "Unsere Daten weisen darauf hin, dass bestimmte T-Zellen, die hemmende Wirkungen ausüben, durchaus in Entzündungsareale gelangen", fassen die Forscher zusammen.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg