10.11.2016

TU Kaiserslautern

Neuartige Gefäßklemme verbessert Nachsorge bei Hirn-Aneurysmen

Bei bis zu fünf Prozent der Deutschen bildet sich im Laufe des Lebens ein Aneurysma. Platzen diese Ausbeulungen von Blutgefäßen im Hirn, können schwere innere Blutungen die Folge sein. Um solche Gefäße abzuklemmen, nutzen Mediziner Aneurysmenclips aus Titan. Bei der Nachsorge kommt es aber oft zu Problemen, da das Metall etwa bei Röntgen-Aufnahmen so stark die Bilder beeinflusst, dass Ärzte den Heilungsverlauf an den Gefäßen nicht gut erkennen können. Ingenieure vom Institut für Verbundwerkstoffe an der TU Kaiserslautern haben mit zwei Unternehmen einen Kunststoffclip entwickelt, der die Nachsorge vereinfacht. Auf der Medizintechnikmesse Medica in Düsseldorf stellen sie ihre Arbeit vom 14. bis 17. November am Gemeinschaftsstand Rheinland-Pfalz (Halle 7a, Stand B06) vor.

Um Aneurysmen im Gehirn zu behandeln, ist der Einsatz eines Aneurysmenclips eine gängige und gut erprobte Methode. Er funktioniert ähnlich wie eine Wäscheklammer. Der Clip klemmt das betroffene Gefäß ab, sodass der Blutfluss zum Erliegen kommt und das Wachstum des Aneurysmas gestoppt wird. „Bei der Nachsorge haben Mediziner oft das Problem, dass sie in den Röntgen-Aufnahmen keine Prognose zur Heilung abgeben können“, so Matthias Bendler vom Institut für Verbundwerkstoffe an der TU Kaiserslautern. „Die Clips bestehen aus Titan. Dieses Metall überstrahlt bei diesen Aufnahmen alles.“ Auch bei anderen diagnostischen Methoden wie der Computertomographie (CT) und der Magnetresonanztomographie (MRT) ist dies der Fall.

Gemeinsam mit den beiden Unternehmen „ADETE – Advanced Engineering & Technologies GmbH“ aus Deutschland und „NEOS Surgery S.L.“ aus Spanien sowie der Universitätsklinik in Antwerpen hat das Team in den vergangenen Jahren einen neuartigen Clip entwickelt. „Er besteht aus einem Kunststoff namens PEEK, in dem zusätzlich Kohlenstofffasern eingearbeitet sind. Dieses Material wird in der Medizin schon lange verwendet und ist gut verträglich“, so der Ingenieur weiter.

Damit er im Hirn als Klemme zum Einsatz kommen kann, haben die Forscher den gängigen Metallclip als Vorlage genommen. „Die Größe haben wir beibehalten, damit die Ärzte ihn genauso verwenden können“, erklärt er. „Außerdem muss der Clip so beschaffen sein, dass er die Arterienwände dauerhaft zusammen hält.“ Auch dies ist mit dem Material der Fall.

Insgesamt besteht der Clip aus fünf Bauteilen, die teilweise unterschiedliche Eigenschaften besitzen. „Die Arme der Klemme bestehen zum Beispiel aus einem Kunststoff, der mit kurzen Kohlenstofffasern verstärkt ist“, sagt Bendler. „Die Klemmkraft wird über zwei kleine Blattfedern aus demselben Material garantiert, wobei hier längere Fasern verwendet werden, die durch das ganze Bauteil gehen.“

Der Kunststoffclip ermöglicht es Medizinern, künftig eine bessere Prognose zur Heilung abzugeben. „In Röntgen-, CT- und MRT-Bildern werden sie beispielsweise besser sehen, ob die Klemme richtig sitzt und das Aneurysma zuverlässig verschließt“, so Bendler. Die Entwicklung des Clips ist mittlerweile abgeschlossen. „Es steht die klinische Testphase an“, ergänzt Bendler. Gefördert wurde das Vorhaben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Eurostars. Auf der Medica stellen die Forscher ihre Arbeit vor.

Pressefotos finden Sie unter https://idw-online.de/de/news661774. Die Fotos dürfen kostenfrei im Rahmen der Berichterstattung genutzt werden. Bitte geben Sie die entsprechende Quelle an.
Fragen beantwortet:
Matthias Bendler
Institut für Verbundwerkstoffe
E-Mail: matthias.bendler(at)ivw.uni-kl.de
Tel.: 0631 2017-339

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