Neuartiges Verschlusssystem zur Behandlung angeborener Herzfehler

Foto: Spirale für das Herz

Das neuartige Verschlusssystem:
Es besteht aus einem Nitinol- Draht,
der immer wieder seine ursprüngliche
Form annimmt. Die kleinen Härchen
bestehen einem medizinischen Kunst-
stoff, der für besondere Dichtigkeit sorgt;
© A. Kühn

Kinderkardiologen des HDZ NRW haben zwei Kindern ein neuartiges Verschlusssystem implantiert. Unter der Leitung von Katheterspezialist PD Doktor Nikolaus Haas gelang es, die Löcher in der Herzscheidewand passgenau zu verschließen. Die Eingriffe dauerten jeweils nur etwa eine Stunde. Die beiden neun und acht Jahre alten Kinder haben die Eingriffe bestens überstanden und werden aller Voraussicht nach unter keinen weiteren Problemen leiden.

Das Loch in der Herzkammerscheidewand (Ventrikelseptumdefekt) ist der häufigste, angeborene Herzfehler. Etwa ein Prozent aller Kinder weltweit kommen mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Die Kammerscheidewanddefekte machen mit ca. 30 Prozent den Löwenanteil dieser Defekte aus. Je nach Größe ist das Loch zunächst unproblematisch. Allerdings muss aufgrund des zusätzlichen Blutflusses das Herz kontinuierlich mit jedem Herzschlag eine größere Menge Blut pumpen. Im Laufe der Jahre führt dies zu einer schnelleren Alterung des Herzens. Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche können die Folgen sein.

Die behandelten Ventrikelseptumdefekte hatten einen Durchmesser von zwei bis acht Millimeter. Für die neue Eingriffsmethode war eine örtliche Betäubung der Kinder in der Leistengegend notwendig. Über die Hauptschlagader konnte Haas die Implantate, mit denen die Löcher verschlossen werden sollten, über lange und dünne Herzkatheter bis in die Herzhauptkammer voran schieben. Zum Verschluss der Defekte verwendeten die Spezialisten einen Coil. Dieser besteht aus einer speziellen Metalllegierung, dem Nitinol-Draht. Es handelt sich um ein „Erinnerungsmetall“, das die Eigenschaft hat, immer wieder seine ursprüngliche, Form anzunehmen. Im Herzen zwirbelt sich der Draht auf und nimmt eine trichterartige Form an, der sich wie ein kleiner, passgenauer Korken ausformt. Der Coil-Draht ist in der Mitte dicker und fester, an den Rändern dünner und weicher. Damit kann sich der Flicken optimal an das Herzmuskelgewebe anpassen.

Seine besondere Dichtigkeit erreicht der neuartige Coil-Flicken durch kleine zusätzlich verankerte Dacon-Härchen (Dacon ist ein medizinischer Kunststoff). Sie überlappen einander, sorgen somit für zusätzliche Dichtigkeit und verschließen so den Septumdefekt. Schon kurz nach dem Eingriff wird der Metall-Kunststoffflicken von körpereigenem Bindegewebe überwachsen und das Loch restlos abgedichtet.


MEDICA.de; Quelle: Herz- und Diabeteszentrum NRW