Neue Behandlungsperspektive

Foto: Die Enzymschere

Das Enzym Meprin β kann
möglicherweise blockiert werden,
um so unter anderem Alzheimer
zu behandeln;© panthermedia.net/
alexmit

Die Forscher haben herausgefunden, dass Meprin β eine sogenannte dimere Struktur hat: Es besteht aus zwei identischen Molekülen mit einer Furche in der Mitte, die als eine Art „molekulare Schere“ wirkt. Das Enzym gehört zur Gruppe der Peptidasen, deren Funktion die Spaltung von Proteinen ist. Professor Christoph Becker-Pauly von der Carl-Albrechts-Universität Kiel erklärt, „dass die Furche im Enzym sozusagen die Schere des Meprin β ist, also die Stelle, an der das Schneiden der Eiweiße passiert.“

Meprin β ist an Prozessen wie Zellteilung und Zellausdifferenzierung beteiligt. Normalerweise schneidet es bestimmte Eiweiße in der Zellwand ab, zum Beispiel Wachstumsfaktoren. Dabei entstehende Eiweißfragmente werden in die Umgebung der Zelle abgegeben. Das Enzym kann allerdings unter bestimmten Umständen anormal wirken und beispielsweise zu viele Eiweißfragmente freisetzen. Das kann zu einer Überfunktion der Proteinfragmente führen und damit zu Stoffwechselstörungen im menschlichen Körper. Solche Störungen treten üblicherweise in Zusammenhang mit Entzündungen, Krebs oder Alzheimer auf.

Der Molekularbiologe Xavier Gomis-Rüth vom Spanischen Forschungsrat (CSIC), der die Studie leitete, erläutert die nächsten Ziele, die die Forschungsarbeit eröffnet: „Jetzt, wo wir wissen, wie Meprin β aussieht, wie es funktioniert und wie es mit den Krankheiten zusammenhängt, können wir gezielt nach Substanzen suchen, die seine Aktivität unterbinden, wenn diese schädlich wirkt. Wir müssen Substanzen finden, die genau in die Furche passen und das Enzym bei Bedarf blocken können.“ Eine solche Substanz könnte der Schlüssel zu neuen Therapeutika sein.

MEDICA.de; Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel