Ähnlich wie in der Klimaforschung können Rechner mit mathematischen Formeln simulieren, welche Auswirkungen medizinische Maßnahmen auf die Bevölkerung haben. Kosten-Nutzwert-Analysen berücksichtigen dabei auch die gewonnenen Lebensjahre in guter Lebensqualität (englisch: quality-adjusted life year - QALY).

Diese QALY fällt für die Prävention des Diabetes Typ 2 überraschend niedrig aus, wie Computersimulationen zeigen. Sie liegt fast immer unter einem Jahr. Dies bedeutet: Versuchen gefährdete Menschen mit vorbeugenden Maßnahmen, wie etwa Diät und Sport, eine Erkrankung zu verhindern, gewinnen sie im Schnitt lediglich ein knappes Jahr guter Lebensqualität.

Besonders niedrig ist die QALY bei der Früherkennung. Hier müssten viele Menschen auf erhöhten Blutzucker getestet werden, um Diabetiker frühzeitig zu entdecken. Die Gegenmaßnahmen Diät und Medikamente führen jedoch nicht immer zu dem Ziel, Folgekrankheiten zu verhindern.

Über den einzelnen Patienten sagt die errechnete QALY jedoch wenig aus. Sein Leben könnte durch Verhinderung oder frühzeitige Erkennung durchaus um mehrere Jahre verlängert beziehungsweise schwere Folgeerkrankungen vermieden werden.

Wenn es um die Frage geht, wie viel Geld eine Gesellschaft aufwenden soll, um spätere Lebensqualität zu finanzieren, können die Berechnungen der durchschnittlichen Kosten und Nutzen ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Politik sein. Als Grenzwert gelten in der Regel 50.000 Dollar oder 30.000 Pfund.

Der „gesunde Menschenverstand“ täuscht dabei sehr schnell. So etwa beim Blutzucker-Screening: Alle Menschen zu testen, um den Diabetes frühzeitig zu erkennen, ist zwar medizinisch sinnvoll, aber extrem unwirtschaftlich. Günstiger ist es, das Screening auf Menschen zu beschränken, die bereits einen hohen Blutdruck haben und deshalb diabetesgefährdet sind.

MEDICA.de; Quelle: Diabetologie und Stoffwechsel 2006, S. 245-251