Nervensystem: Neue Erkenntnis zu seltener Erkrankung

02.04.2013

Foto: Zellen

Mikroskopische Aufnahme eines CD8-positiven T-Lymphozyten im zentralen Nervensystem einer Maus mit kindlicher NCL; © Janos Groh

Sie treten meist im Kindesalter auf und verlaufen stets tödlich: Stoffwechselerkrankungen des Gehirns vom Typ der Neuronalen Ceroid-Lipofuszinosen. Die Suche nach einer Therapie gestaltet sich schwierig. Jüngste Forschungsergebnisse an der Universität Würzburg könnten neue Wege eröffnen.

Neuronale Ceroid-Lipofuszinosen (NCL) sind genetisch bedingte Stoffwechselerkrankungen des Gehirns. Rund zehn verschiedenen Formen sind bislang bekannt; alle sind durch verschiedene Genmutationen verursacht. Variieren diese Formen in ihrem Beginn und Ausprägung, so ist ihnen doch eines gemein: Sie sind bislang nicht behandelbar und verlaufen immer tödlich.
Oft beginnen die Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und machen sich zunächst durch eine Verschlechterung der Sehleistung bemerkbar, gefolgt von epileptischen Anfällen, Erblindung, Taubheit, Demenz und frühem Tod.

Die Gruppe um Rudolf Martini, Leiter der Sektion Experimentelle Entwicklungsneurobiologie an der Neurologischen Klinik, hat vor einigen Jahren damit begonnen, den Verlauf einer besonders aggressiven und früh einsetzenden Form dieser Erkrankungen zu erforschen. Unterstützt wurden die Wissenschaftler von Kollegen aus London und Regensburg. Nun können die Forscher mit ersten Ergebnissen aufwarten.

Janos Groh hat dafür spezielle Mäusestämme miteinander gekreuzt: Während die eine Maus die Anlage für eine Neuronale Ceroid-Lipofuszinose in ihrem Erbgut trug, war bei der anderen Maus das Immunsystem fehlerhaft ausgebildet. Das Ergebnis: „Sowohl in klinischer wie auch in neurobiologischer Hinsicht hat sich der Zustand der Mäuse erheblich verbessert“, sagt Martini.

Zusätzlich konnte Groh spezielle Zellen des Immunsystems als krankheitsverstärkende Komponenten identifizieren: die sogenannten CD8-Marker-positiven “zytotoxischen“ T-Lymphozyten. „Schaltet man diese Zellen aus, degenerieren deutlich weniger Nervenfasern und -zellen, obwohl sie immer noch die für toxisch erachteten Stoffwechselprodukte anhäufen“, sagt Groh. In der Folge habe sich das Sehvermögen der Mäuse erheblich verbessert, die Zahl der epileptischen Anfälle sei gesunken, insgesamt hätten die Mäuse deutlich länger gelebt als Tiere mit intaktem Immunsystem.

MEDICA.de; Quelle: Universität Würzburg