Neue Erkenntnisse über Lupus Erythematosus

Der Hautausschlag soll dem Bissen
eines Wolfs ähneln - daher der
Name "roter Wolf"; © Uni Gießen

Systemischer Lupus Erythematosus (SLE) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die Haut, Gelenke, Nieren, aber auch jedes andere Körperorgan befallen kann. Bei der Erkrankung richtet sich das Immunsystem gegen das körpereigene Bindegewebe und kann dadurch die Funktion zahlreicher Organe beeinträchtigen. Das Krankheitsbild äußert sich in verschiedenen Formen, die von leichten Hautausschlägen bis hin zu Multi-Organversagen reichen.

Bereits seit einigen Jahren ist Interferon-alpha (IFN-alpha) als wesentlicher Faktor für die Entstehung des SLE bekannt. IFN-alpha wird von den so genannten dendritischen Zellen des Immunsystems als Reaktion auf Krankheitserreger und Tumorzellen produziert und stimuliert die körpereigene Abwehr. Aus dem Blut gesunder weiblicher und männlicher Blutspender isolierten die Giessener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dendritische Zellen, da sie auf ihrer Oberfläche bestimmte Proteine besitzen, die bei der Abwehr von krankmachenden Mikroorganismen eine wichtige Rolle spielen.

Diese Proteine werden "Toll-artige Rezeptoren" genannt. Sie erkennen und binden Oberflächenstrukturen von Krankheitserregern. Dadurch verformt sich der Rezeptor und aktiviert so im Inneren der Zelle einen Signalweg, der zur Produktion von IFN-alpha führt. Dieser Faktor verstärkt bereits bestehende oder löst sogar neue Entzündungsreaktionen im Körper aus.

Die Forscher brachten im Experiment die dendritischen Zellen mit synthetischen Substanzen zusammen, die - ähnlich wie die bakteriellen Oberflächen-Bestandteile - die Produktion von IFN-alpha bewirken, indem sie an die Toll-artigen Rezeptoren binden. Hierbei stellte sich heraus, dass bei Frauen nach Aktivierung des Toll-artigen Rezeptors 7 (TLR7) deutlich mehr IFN- alpha in dendritischen Zellen produziert wird als bei Männern. Dies könnte die größere Häufigkeit von Lupus Erythematosus bei Frauen erklären. Die Ursache für die geschlechtsabhängige IFN-alpha-Produktion konnte allerdings noch nicht gefunden werden. Eine Östrogenwirkung schließen die Wissenschaftler aber aus.

MEDICA.de; Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen