S100A4/Metastasin wurde in so genannten Microarray-Studien als das Gen identifiziert, welches am stärksten durch mutiertes beta-Catenin angeschaltet wird. Beta-Catenin ist ein Protein, das unter anderem dafür sorgt, dass Zellen in ihrem Zellverband bleiben. Ist es mutiert, lösen sich Zellen aus dem Zellverband heraus, können wandern und sich in anderen Organen ansiedeln und Metastasen bilden.

Die Forscher konnten die Stelle an dem S100A4/Metastasin-Gen identifizieren, an die mutiertes beta-Catenin bindet und das Gen reguliert. Das von beta-Catenin ausgelöste Ablesen des S100A4/Metastasin-Gens führt zu einer gesteigerten Migration und Invasion von Tumorzellen. Wird diese Signalkette unterbrochen, können die Tumorzellen nicht mehr wandern.

In Tierversuchen zeigte sich, dass das Anschalten des S100A4-Gens stark erhöhte Metastasierungsraten auslöste. Dies konnte am Krankheitsverlauf von Patienten mit Dickdarmkrebs untermauert werden. War S100A4/Metastasin in Tumorgewebsproben erhöht, hatten die Patienten auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit Metastasen in der Leber oder Lunge zu bekommen.

Die von den Forschern in Berlin und Frederick erzielten Ergebnisse verbinden zwei bisher nicht verknüpfte zelluläre Programme, die bedeutend für Tumorwachstum und Metastasierung sind: der beta-Catenin/TCF-Signalweg und das S100A4/Metastasin-Gen, das Wanderung und Invasion kontrolliert. Neue gezielte therapeutische Strategien, die darauf abzielen, die beta-Catenin/TCF-Regulation zu unterbrechen, um die Entstehung von Metastasen beim Dickdarmkrebs zu verringern oder zu verhindern, werden derzeit von der Forschungsgruppe in Berlin-Buch weiter geprüft.

MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin