Neue Erkenntnisse in der Pharmaforschung

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Fortschritt in der Pharmaforschung;
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Die Wirkstoffe hemmen im Reagenzglas bestimmte Enzyme, die so genannten Cysteinproteasen. Diese spielen bei Krankheiten wie Schlaganfall, Krebs, Malaria oder Osteoporose eine Schlüsselrolle. Sie sind Biokatalysatoren, die Eiweiße spalten können. Viele Viren oder auch die Erreger von Malaria und Bilharziose benötigen diese "Proteinscheren" für den Infektionsprozess. Pharmaforscher suchen daher in den letzten Jahren verstärkt nach Stoffen, die die Eiweißscheren stumpf werden lassen.

"Die von uns konstruierten Hemmstoffe ähneln einem Peptid - das ist im Prinzip ein kleines Protein", erklärt Professor Michael Gütschow vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn. "Sie können daher an das katalytische Zentrum der Proteasen binden. Wir haben aber auf chemischem Wege eine Änderung vorgenommen, so dass sie dort nicht zerlegt werden können." Die Eiweißschere wird so blockiert - und das ziemlich lange: "Unsere Modifikation sorgt dafür, dass die Hemmstoffe eine sehr stabile Bildung mit dem katalytischen Zentrum eingehen."

Die Substanzen zählen zu den so genannten Azadipeptidnitrilen. Die Forscher haben eine ganze Reihe von leicht unterschiedlichen Vertretern dieser Klasse hergestellt. Allen ist gemeinsam, dass sie nur Cysteinproteasen blockieren. Andere Eiweißscheren wie das im Dünndarm tätige Chymotrypsin lassen sie dagegen links liegen. "Andererseits sind unsere Wirkstoffe selbst auch unempfindlich gegen Chymotrypsin", sagt Gütschow. "Sie würden also beispielsweise die Reise durch den Verdauungstrakt unbeschadet überstehen."

Ob sich Vertreter der Azadipeptidnitrile tatsächlich als Medikamente eignen, bleibt abzuwarten. Doch selbst wenn sich Azadipeptidnitrile nicht direkt als Arzneimittel eignen sollten, eröffnen sie der Pharmaforschung neue Perspektiven. Denn um Krankheitsmechanismen aufzuklären, ist die Wissenschaft auf wirksame Hemmstoffe angewiesen. So ergeben sich möglicherweise auf indirektem Wege Ansatzpunkte für neue therapeutische Hebel.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn