Demenz: Neue Herausforderung für Krankenhäuser

22.03.2013

Foto: Krankenschwester füttert Seniorin

Die Betreuung von Demenzkranken wird für Krankenhäuser zunehmend zur Herausforderung. Eine neue Studie gibt Handlungsempfehlungen;
© panthermedia.net/Alexander Raths

Immer häufiger behandeln Krankenhäuser Patienten, die neben ihrer Hauptdiagnose an Demenz erkrankt sind. Dennoch kann sich das „System Krankenhaus“ wegen strikter Abläufe und Routinen kaum auf diese Patientengruppe und ihre Bedürfnisse einstellen.

Warum eine demenzsensiblere Ausrichtung von Krankenhäusern der Akutversorgung so schwierig ist und wie sie dennoch gelingen kann, waren die Fragen einer neuen Studie des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso). Im Auftrag der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft hat Sabine Kirchen-Peters, Sozialwissenschaftlerin am iso-Institut, die Studie „Analyse von hemmenden und förderlichen Faktoren für die Verbreitung demenzsensibler Konzepte in Akutkrankenhäusern“ durchgeführt.

Ausgangspunkt dieser Untersuchung war die Frage, warum positive Erfahrungen von Modellprojekten in den Krankenhäusern nicht aufgegriffen werden, selbst wenn diese den Nachweis erbringen, dass sie auch betriebswirtschaftlich interessant sind. Im Mittelpunkt der Studie standen schriftliche und mündliche Befragungen von Leitungskräften der Akutkliniken, die über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Geflecht verschiedenster Barrieren den Ausbau demenzfreundlicher Kliniken erschwert.

Die Gründe, warum sich selbst „gute Praxis“ für eine verbesserte Versorgung von Demenzkranken im Klinikalltag nicht durchsetzt, liegen dabei sowohl in den politischen und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen, den Organisationsstrategien der Kliniken wie auch in der subjektiven Haltung der Ärzte und Pflegekräfte. Um das Bewusstsein über Demenzerkrankungen zu schärfen, Vorurteile abzubauen und eine positive Grundhaltung gegenüber den Kranken herbeizuführen, wird unter anderem eine breite Aufklärungsarbeit und ein konsequenter Wissensaufbau bei Ärzten und Pflegekräften angeraten.

„Die Aufklärung sollte den geriatrischen Patienten in den Mittelpunkt rücken, der für die Kliniken zum Normalfall geworden ist, während die gesunden und complianten Patienten schon längst die Minderzahl ausmachen“ erläutert Kirchen-Peters und verweist auf die Tatsache, dass bereits heute mindestens zwölf Prozent der Patienten demenzkrank sind und sich dieser Anteil zukünftig verstärken wird.

Die Informationsarbeit müsse zudem die Relevanz des Delirs verdeutlichen, eine gefährliche Komplikation, von der Demenzkranke während eines Krankenhausaufenthalts häufig betroffen sind. Diese Problematik werde im Krankenhaus noch völlig unterschätzt. Fortbildungen sollten die Häufigkeit von Delirien, Kriterien zur Erkennung von Delirien, medikamentöse und psychosoziale Interventionsmöglichkeiten sowie die Möglichkeiten der Delirprävention umfassen. Die Handlungsempfehlungen der Studie zeigen in vielen Bereichen Wege auf, wie es gelingen kann, die Strukturen und Prozesse in den Kliniken „demenzsensibel“ auszurichten. Zudem werden die finanziellen Rahmenbedingungen für entsprechende Maßnahmen problematisiert und erste Vorschläge zu Handlungsansätzen für politisch Verantwortliche formuliert.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. Saarbrücken