Die Lebenserwartung von HIV-Patienten hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. In ausgewählten Fällen kommt daher bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen eine orthotope Lebertransplantation (OLTX) in Frage.

An der Universität Bonn wurden zwischen 1997 und 2004 zehn HIV-positive Patienten zur OLTX gemeldet. Für eine Studie erhoben Wissenschaftler die Daten zum Zeitpunkt der Listung zur OLTX, der OLTX selbst, dem Wiederbeginn der Hochaktiven Antiretroviralen Therapie (HAART) und dem letzten verfügbaren Klinikbesuch.

Indikation zur OLTX waren eine fulminante HBV-Infektion (zwei Patienten) und Endstadien der Zirrhose bei chronischer HBV (ein Patient), HBV/HCV (ein Patient), und HCV (sechs Patienten). Zwei Patienten verstarben auf der Warteliste.

Die Leberfunktion verbesserte sich bei einem Patienten unter HAART, so dass der Patient von der Warteliste genommen wurde. Sieben Patienten wurden transplantiert: ein Patient verstarb 84 Tage nach OLTX an einer intrathorakalen Blutung während die anderen sechs Patienten am Leben sind (mediane Nachbeobachtung 432 Tage).

Steroide wurden im Median 160 Tage nach OLTX abgesetzt. Eine akute Organabstoßung trat auf. HAART-bedingte Lebertoxizität wurde nicht beobachtet. Medikamenteninteraktionen zwischen Proteasehemmern und Cyclosporin A erzwangen eine deutliche Senkung der täglichen Cyclosporin-A-Dosis auf bis zu fünf Prozent der vorherigen Dosis.

Postoperative Komplikationen waren vergleichbar mit HIV-negativen Patienten. Nur bei einem Patienten wurde ein komplizierter Verlauf eines Kaposi-Sarkoms mit Multizentrischem Castleman beobachtet. Bei Patienten mit Hepatitis C konnte die HCV-Reinfektionen mit einer pegylierten Interferon/Ribavirin-Kombinationstherapie gut kontrolliert werden.

MEDICA.de; Quelle: 111. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin