Migränekopfschmerzen sind bei Kindern häufig. Ihre Inzidenz steigt mit dem Alter. Nach Schätzungen sind acht bis 23 Prozent der Kinder zwischen dem elften und 15. Lebensjahr davon betroffen. Durchschnittlich beginnen die Kopfschmerzen mit 7,2 Jahren bei den Jungen und 10,9 Jahren bei den Mädchen.

Angesichts der Prävalenz dieser Erkrankung gibt es erstaunlich wenig gesicherte Daten. Es ist nicht immer klar, ob Leitlinien zur Behandlung der Migräne bei Erwachsenen ohne weiteres auf Kinder übertragen werden können und in welcher Dosierung die Wirkstoffe bei Kindern zu verabreichen sind.

Die neuen Leitlinien wurden auch von der "American Academy of Pediatrics" und der "American Headache Society" akzeptiert und übernommen. Sie basieren auf einer Literaturrecherche, die 166 kontrollierte Studien aus den letzten beiden Jahrzehnten erbrachte.

Ibuprofen und Acetaminophen, so die Leitlinien, sind sicher beim Kind anzuwenden und wirken effektiv bei akuten Migräneanfällen im Kindes- und Erwachsenenalter. Sumatriptan intranasal hat seine Wirksamkeit zumindest bei Erwachsenen nachgewiesen.

Allerdings konnten keine ausreichenden Beweise dafür erbracht werden, dass oral eingenommene Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane bei Kindern ausreichend wirksam sind. Rizatriptan und Zolmitriptan sind sicher und werden von Kindern gut vertragen. Sie sind aber einer Placebogabe in diesem Alter nicht überlegen.

Von zwölf Wirkstoffen, die als präventiv wirksam in Frage gekommen wären, ist nur das Flunarizin wirksam. Enttäuschend schnitten dagegen Nimodipin, Clonidin und weitere Substanzen ab. Bezüglich Cyproheptadin, Amitryptilin, Topiramat, Levetiracetam und anderen waren die Daten nicht ausreichend, um zu einer Empfehlung zu kommen.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2004, Vol. 63, S. 2215-2224