Nach elf Jahren hat die US-amerikanische Fachgesellschaft „American Psychiatric Association (APA)“ nun ihre Leitlinien zur Demenz überarbeitet. Die erste Leitlinie stammt aus dem Jahre 1997. In der Neuauflage, die zweite dieser Art, hat eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Peter V. Rabins von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, Maryland, USA, alle Studien und wissenschaftlichen Erkenntnisse des vergangenen Jahrzehnts eingearbeitet. Die Leitlinie ist als Beilage in der Fachzeitschrift „American Journal of Psychiatry“ erschienen.

Rabins als Leiter der Überarbeitungsgruppe will all zu hohe Erwartungen an diese Leitlinie dämpfen. Es seien keine bahnbrechenden Neuerungen aufgenommen, weil es diese nicht gäbe. Allerdings konnten Erkenntnisse, die in der ersten Auflage noch mit geringer Beweiskraft behauptet wurden, inzwischen durch Studien erhärtet werden.

So wurden seit der ersten Auflage der Leitlinie in den USA verschiedene Wirkstoffe gegen Demenzen zugelassen, darunter drei Wirkstoffe aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer und Memantin. Außerdem hat sich die Studienlage zu nicht-pharmakologischen Therapieoptionen verbessert: So weiß man heute, dass alles, was den Patienten emotional bewegt, von Vorteil ist. Auch die Behandlung von Depressionen im Rahmen einer Demenz hat sich als wirkungsvoll erwiesen.

Es gibt aber auch negative Veränderungen im Vergleich zu 1997: So hat die APA ihren Rat zurückgenommen, Demenzen mit Vitamin E zu behandeln. Zum einen hat in den vergangenen zehn Jahren keine Studie den Nutzen nachgewiesen, zum anderen kann Vitamin E in hohen Dosen schädlich sein. Schließlich weiß man inzwischen auch, dass antipsychotisch wirksame Substanzen das Mortalitätsrisiko bei Demenzkranken erhöhen. Das gilt sowohl für typische wie auch atypische Antipsychotika.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Psychiatry 2007, Vol. 164, S. A48