Bislang gab es keine Leitlinien zum Umgang mit Angehörigen von Patienten auf Intensivstationen. Gerade Angehörige aber sind bei intensivpflichtigen Erkrankungen ganz besonders gefordert, da sie oft noch besser als der Patient selbst dazu in der Lage sind, informierte Entscheidungen zu treffen. Nun haben Experten der „American College of Critical Care Medicine (ACCM) Task Force” Leitlinien entworfen, wie mit den Angehörigen von Intensivpatienten zu verfahren sei.

Die neue Leitlinie enthält insgesamt 43 Empfehlungen. Dazu gehören unter anderem:

Es ist besser, Entscheidungen über gesundheitliche Maßnahmen bei einem Intensivpatienten im Konsens mit Angehörigen zu treffen, als dass der Arzt dies entscheidet. Dies vermindert den emotionalen Stress bei den Angehörigen und hilft ihnen, Entscheidungen mitzutragen.

Die Experten empfehlen, dass der behandelnde Arzt sich regelmäßig mit den Angehörigen in einer kleinen Konferenz zusammensetzt. Dabei sind auch kulturelle Gegebenheiten zu berücksichtigen. Visitationen sollten zeitlich flexibel stattfinden, so dass auch Angehörige daran teilnehmen können.

Spirituelle und religiöse Bedürfnisse der Patienten und Angehörigen sind zu berücksichtigen. Um die übliche Krankenhausseelsorge zu ergänzen, könnte man Mitarbeiter der Intensivstationen darin schulen, den Patienten und Angehörigen ihre Religionsausübung zu erleichtern.

Wichtig ist allerdings auch, dass die Mitarbeiter der Intensivstationen lernen, sich gegen Angehörige abzugrenzen. Sonst könnten sie selbst gesundheitlichen Schaden nehmen.

Ganz wichtig ist die Umgebung: Eine gute Ausschilderung hilft den Angehörigen, sich im Krankenhaus zurecht zu finden und angenehme Warteräume erleichtern den Aufenthalt.

MEDICA.de; Quelle: Critical Care Medicine 2007, Vol. 35, S. 605-622