Neue Leitlinie standardisiert Hyperthermie

Foto: Strahlentherapie

Die Hyperthermie ist eine
sinnvolle Ergänzung zur Strahlen-
oder Chemotherapie;
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Dies teilt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich der Veröffentlichung der Leitlinie mit. „Die DEGRO begrüßt, dass sich die Behandlungszentren auf eine einheitliche Leitlinie verständigt haben“, sagt Doktor Jürgen Dunst. Feste Standards für Geräte, Auswahl und Vorbereitung der Patienten, Ablauf der Behandlung, Temperaturmessung und Qualitätssicherung, Kontrolle und Dokumentation von Wirkungen und Nebenwirkungen sind notwendig, um Erfolge zu sichern.

Da Wärme Tumorzellen vernichten kann, wird die regionale Tiefenhyperthermie zur Unterstützung einer Strahlen- oder Chemotherapie eingesetzt. „Es ist seit Längerem bekannt, dass Krebszellen hitzeempfindlicher sind als gesunde Zellen“, erläutert Dunst. Krebszellen sterben bei Temperaturen von 42-43 Grad Celsius ab und setzen dabei Hitzeschockproteine frei, die das Immunsystem alarmieren und damit die körpereigene Krebsabwehr stimulieren. „Für eine klinische Wirkung reicht die alleinige regionale Tiefenhyperthermie zwar in der Regel nicht aus“, sagt Dunst. In Kombination mit Strahlen- oder Chemotherapie sei jedoch eine Antikrebswirkung zu erwarten.

Eine Wärmebehandlung dauert nach einer etwa 20- bis 30-minütigen Aufwärmphase jeweils 60 Minuten. Die Wärme wird direkt im Gewebe erzeugt. Dies geschieht durch elektromagnetische Wellen, die über antennenartige Applikatoren von außen in den Tumor geleitet werden. Während der Behandlung liegt der Patient in einem sogenannten Ringapplikator, der die Wirkung auf den Tumor fokussiert. Das Prinzip sei dasselbe wie bei der modernen Strahlentherapie, sagt Dunst. Nur dass dort der Tumor mit hochenergetischen Strahlen zerstört werde.

Die Kombination von Wärme- mit Strahlen- oder Chemotherapie ist nach Auskunft von Doktor Rolf Sauer, einem der Autoren der Leitlinie, biologisch sinnvoll: „Die Behandlungen ergänzen sich, da durch die Hitze zuerst die Zellen mit schlechter Sauerstoffversorgung absterben. Genau diese Zellen werden von der Strahlen- und der Chemotherapie schlecht erreicht.“ Deshalb befinden sich die meisten Geräte zur Hyperthermie auch in den Strahlenkliniken. Bisherige Studien seien laut Sauer vielversprechend: „Viele Tumoren lassen sich verkleinern, teilweise verlängerte sich auch die Überlebenszeit der Patienten.“

Der genaue Stellenwert der Therapie steht jedoch noch nicht fest. Wie immer in der Krebsbehandlung sollten neue Therapien zunächst in klinischen Studien geprüft werden, bevor sie breit angewendet werden, fordert Sauer. „Die jetzigen Leitlinien liefern hierfür klare Grundlagen. Sie dienen auch der Sicherheit der Patienten.“

Hyperthermie kommt vor allem bei Hochrisiko-Sarkomen zum Einsatz, also Tumoren des Binde- und Stützgewebes. Aber auch bei Brustkrebs-Rezidiven, oberflächlichen Tumorerkrankungen, Kopf-Hals-Tumoren, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Blasen- und Enddarmkrebs.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.