Bei diesen Empfehlungen handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Leitlinie von 2003. Mit seinen 82 Seiten und mehr als 800 Zitierungen spiegelt die neue Leitlinie die Erkenntnisse wider, die in den vergangenen vier Jahren zu diesem Thema gewonnen wurden.

Nach Ansicht von Experten bietet die neue Leitlinie keine umgreifenden Veränderungen gegenüber der alten Fassung, hat aber im Detail einige Neuerungen zu bieten. Denn einige Empfehlungen der alten Leitlinie konnten inzwischen durch neue Daten weiter untermauert werden.

Ihr wesentliches Ziel hat die neue Leitlinie nicht aus den Augen verloren: Der Blutdruck sollte bei der großen Mehrheit der Bevölkerung höchstens 140/90 mmHg betragen. Allerdings gelten für Patienten mit Komorbiditäten andere Grenzwerte: So sollten Diabetiker oder Personen mit kardiovaskulären Erkrankungen einen Blutdruck von höchstens 130/80 mmHg haben.

In Bezug auf die First-Line-Therapie hat die neue Leitlinie die starren Empfehlungen der Vorgänger-Leitlinie aufgegeben: Nun empfiehlt man nicht mehr eine bestimmte Wirkstoffklasse, sondern behandelt die Klassen weitgehend gleichwertig und macht die Wahl des Wirkstoffs von der Verfassung des Patienten beziehungsweise Komorbiditäten abhängig.

So empfiehlt der Text zum Beispiel, Diabetiker mit einem hohen Blutdruck sollten zuerst einen ACE-Hemmer oder einen Wirkstoff aus der Klasse der Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhalten. Nach einem Myokardinfarkt empfiehlt sich dagegen ein Beta-Blocker. Ältere Menschen sollten vorrangig einen Kalziumantagonisten erhalten, um die Gefahr eines Schlaganfalls zu reduzieren. Bei einer renalen Dysfunktion empfehlen sich ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker. Häufig allerdings benötigen die Patienten ohnehin zwei oder mehr Wirkstoffe.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Hypertension 2007, Vol. 25, S. 1105-1187