Neue Medikamente heilen auch schwierige Hepatitis C-Fälle

28.07.2014
Foto: Prof. Dr. Michael Manns

Neue Arzneien hemmen Vermehrung Viren, Resistenzen und führen zu weniger Lebertransplantationen; © Kaiser/ MHH

Neue Wirkstoffe verändern derzeit die Therapie von chronischer Hepatitis C enorm: Sie ermöglichen, dass künftig fast alle Patienten, die diese Medikamente bekommen, von dieser Virusinfektion geheilt werden können – sogar, wenn sie die am schwierigsten zu behandelnde Hepatitis C-Form haben. Und das geschieht in kürzerer Zeit als bisher und mit deutlich weniger Nebenwirkungen.

„Die Therapien entwickeln sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Es handelt sich bei Hepatitis C nun um die erste chronische Virusinfektion, die heilbar ist. Dies ist eine unglaublich seltene Erfolgsgeschichte, sie wird die Medizin verändern“, sagt Professor Dr. Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Er hat mit seinem Team zwei der Studien zur Zulassung dieser neuen Medikamente geleitet.

Die bisher übliche Therapie der chronischen Hepatitis C besteht aus der Kombination von drei Medikamenten: Interferon, Ribavirin und entweder einem Protease- oder einem Polymerase-Hemmer. Die Behandlungen dauern bis zu einem Jahr und basieren auf regelmäßigen Spritzen. Der Erfolg hängt unter anderem von Begleiterkrankungen und vom Genotyp des Virus ab. Oft bringt diese Therapie starke Nebenwirkungen mit sich, die viele Patienten nicht vertragen, zum Beispiel Blutarmut. Das liegt auch daran, dass die Medikamente in das Immunsystem eingreifen und die roten Blutkörperchen beeinflussen können.

Nun gibt es neue Medikamente, die 90 Prozent und mehr der Patienten von den Viren befreien können. Sie hemmen die Vermehrung oder Reifung der Viren in den Leberzellen sehr wirkungsvoll und haben wesentlich weniger Nebenwirkungen. Die Therapie mit diesen Arzneimitteln ist deutlich verkürzt und besteht ausschließlich aus Tabletten.

Im Januar 2014 wurde das erste dieser neuen Medikamente zugelassen: Der Polymerase-Hemmer Sofosbuvir, Handelsname Sovaldi. Er hemmt das für die Viren notwendige Enzym RNA-Polymerase. Die Studien wurden überwiegend in den USA durchgeführt und geleitet; an den in Europa durchgeführten Studien war die MHH beteiligt. Der Wirkstoff muss nur über zwölf Wochen gegeben werden – und bei Patienten mit dem HCV-Genotyp 2 oder 3 reicht er in Kombination mit Ribavirin (ohne Interferon) aus.

Im Mai konnte ein weiterer Wirkstoff zugelassen werden: Simeprevir, Handelsname Olysio. Er hemmt das von den Viren benötigte Enzym Protease. Professor Manns leitete eine der drei Zulassungsstudien für dieses Medikament, in der die Wirksamkeit von Simeprevir in Kombination mit Interferon und Ribavirin getestet wurde. Sie wurde für bisher unbehandelte Patienten mit dem Genotyp 1 mit beiden auf dem Markt befindlichen Interferonen durchgeführt.

Professor Manns leitete darüber hinaus eine der Zulassungsstudien für ein weiteres Medikament namens Daclatasvir, welches im August in Europa, Amerika und weiteren Ländern zugelassen werden soll und in Japan am 7. Juli bereits zugelassen worden ist. „Die Behandlung ist viel wirkungsvoller, sicherer und ärmer an Nebenwirkungen für diese Patienten als die Standardtherapie, vor allem für bisher schwer behandelbare Formen. 90 Prozent der zuvor unbehandelten Patienten konnten von den Viren befreit werden“, erläutert Professor Manns.

Weitere Medikamente werden voraussichtlich noch in diesem Jahr zugelassen. Sie müssen miteinander kombiniert beziehungsweise gemeinsam mit Interferon oder Ribavirin verabreicht werden. „Die Kombination der Wirkstoffe hat auch den Vorteil, dass sich kaum Resistenzen herausbilden, weil die Wirkstoffe an unterschiedlichen Schaltstellen des viralen Lebenszyklus angreifen“, beschreibt Professor Manns. Auch im Jahr 2015 sind weitere Zulassungen geplant – für Therapien, die kein Interferon und Ribavirin mehr beinhalten und so kaum noch Nebenwirkungen haben werden.

Die neuen Therapieoptionen werden sich auch auf Transplantationen auswirken: „Heutzutage geschieht jede vierte bis fünfte Lebertransplantation der westlichen Welt wegen einer Hepatitis C-Virusinfektion bedingten Lebererkrankung. Mit Hilfe der neuen Therapien wird es in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren möglich sein, Lebertransplantationen deutlich zu reduzieren“, sagt Professor Manns.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover