Neue Platten braucht der Knochen

Feines Implantat für filigranen Knochen
© Universität Rostock

„Wenn es draußen glatt ist, kann es vorkommen, dass pro Stunde fünf bis zehn Patienten mit handgelenksnahen Speichenbrüchen behandelt werden müssen“, sagt Dr. Georg Gradl, Oberarzt in der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Universität Rostock. Schuld ist ein wichtiger menschlicher Reflex, der die Hände schützend bei einem Sturz vorstrecken lässt. Doch hält der feine Speichenknochen im Arm dem Stoß manchmal nicht Stand.

Seit etwa fünf Jahren werden diese Brüche mit Platten und Schrauben behandelt. Dabei werden die Scheiben, die aus einer Titaniumlegierung bestehen, auf den Knochen gelegt. Durch vorgestanzte Löcher werden die Schrauben gedreht, so dass alles fest an den Knochen gepresst wird. Nachteile ergeben sich oft bei Patienten mit Osteoporose: Durch den starken Druck auf die Knochenoberfläche kann es unter der Platte zu Veränderungen der Knochenstruktur kommen. Und da die Platte außen auf dem Knochen aufliegt, berührt sie Sehnen und Nerven. Das kann zu Reizungen führen.

Aber um überhaupt mit den herkömmlichen Platten an den Knochen zu gelangen, sind große Schnitte nötig. Die sind einer der Gründe, warum Gradl ein neues Implantat entwickeln wollte: „Man versorgt die Frakturen, sieht den Aufwand und denkt sich: wie kann man das verbessern.“ Und so entstand die Idee für Targon DR – ein filigranes Implantat, dass statt auf dem Knochen aufzuliegen in das Innere versenkt werden sollte.

Die Mediziner mussten nun herausfinden, wie groß die metallene Schiene sein und welche Form sie haben muss, um diese speziellen Brüche zu fixieren. Sie nahmen dazu Computertomographie-Aufnahmen von Patienten und errechneten einen Mittelwert, einen „typischen“ handgelenksnahen Speichenbruch, nach dem sich das Implantat richten sollte. Herausgekommen ist ein fünf Zentimeter langer, drei Millimeter breiter, sanft geschwungener Nagel.

Das filigrane Implantat ist so winzig, dass kleine Schnitte reichen, um an den Speichenknochen zu gelangen. Dort wird es dann der Länge nach in den Knochen eingesetzt und stabilisiert die Bruchstelle. Und da der Nagel nicht auf dem Knochen aufliegt, werden auch Sehnen und Nerven nicht gestört. „Der Patient spürt das Implantat gar nicht“, erklärt Gradl.

Bis jetzt wurde Targon DR 35 mal bei handgelenksnahen Speichenbrüchen eingesetzt. Eine Studie, die die Wirksamkeit der Erfindung testen soll, läuft noch. Erste Erkenntnisse lassen „einen Trend zu einer früheren Rekonvaleszenz“ erscheinen, so Gradl.

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