Neue Richtlinie bringt mehr Sicherheit

„Damit wird flächendeckend ein hoher Qualitätsstandard in andrologischen Laboren etabliert und Vergleichbarkeit erreicht“, sagt Professor Sabine Kliesch von der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Für die betroffenen Männer bedeute das mehr Sicherheit bei der Abklärung der Ursachen der männlichen Infertilität, in deren Folge gezielte therapeutische Maßnahmen zur Kinderwunschbehandlung eingeleitet werden können, so die Urologin und Andrologin, die den Vorsitz der Fachgruppe Ejakulatuntersuchung der Bundesärztekammer innehat.

Etwa jedes sechste Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Die Ursachen dafür liegen zu gleichen Teilen bei Mann oder Frau oder bei beiden, weshalb bei unerfülltem Kinderwunsch immer auch die Rolle des Mannes berücksichtigt werden muss. Kliesch: „Mindestens sieben Prozent aller Männer im fortpflanzungsfähigen Alter haben zeitweise Probleme mit der Zeugungsfähigkeit.“

Dafür können zum Beispiel Hodenhochstand im Kindesalter, Hormonstörungen, eine Infektion der Samenwege, Krampfadern im Hoden, genetische Ursachen oder andere Allgemeinerkrankungen verantwortlich sein. Auch Nikotin, Stress, Alkohol, Übergewicht, Umwelteinflüsse, Drogen, Doping mit anabolen Steroiden oder Medikamenteneinnahme können die männliche Fruchtbarkeit negativ beeinflussen.

Zur Diagnose dienen der Ultraschall des Hodens, eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Hormonhaushalts und eben die Analyse einer Samenprobe, die unter anderem die Parameter Volumen und pH-Wert des Ejakulats sowie Gesamtzahl, Konzentration, Beweglichkeit, Form und Vitalität der Spermien erfasst. Die Untersuchung erfolgt nun nach den strengen Kriterien der fünften und neuesten Überarbeitung der WHO-Richtlinie von 2010, die inzwischen im „WHO Laborhandbuch“ übersetzt wurde und Grundlage der aktuellen Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen ist.

Für die Bewertung der genannten Parameter der Ejakulatanalyse legt die WHO-Richtlinie neue untere Grenzwerte fest. Sie beruhen erstmals auf evidenzbasierten Daten, die in einer weltweiten Studie mit mehr als 4500 Männern aus 14 verschiedenen Ländern auf vier Kontinenten erhoben wurden und deutlich unter den vorigen Richtwerten von 1999 liegen.

„Männer, deren Samenqualität unterhalb der Referenzwerte liegt, werden mit großer Wahrscheinlichkeit Schwierigkeiten haben, eine spontane Schwangerschaft auszulösen“, so Kliesch. Darüber hinaus macht die WHO neue Vorgaben bei der Spermienpräparation und legt Mindestanforderungen für die Qualitätssicherung in andrologischen Laboren in Form einer internen und externen Qualitätskontrolle fest.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie