Neue Risiko-Skala für Herzpatienten

Foto: Herz

Die neue Skala soll die Behandlung
individueller machen;© panther-
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"Solche Risiko-Scores gab es bisher schon für die primäre Verhinderung der koronaren Herzkrankheit und für Patienten mit akutem Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris, Herzinfarkt). Für Kranke mit einer stabilen Koronarkrankheit existierte das noch nicht", erklärte Alexander Niessner von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien.

Die Wissenschaftler suchten deshalb nach den in der täglichen Arbeit praktikabelsten und aussagekräftigsten Parametern, um das Langzeit-Risiko von Menschen mit durch Atherosklerose verengten Herzkranzgefäßen ohne akuten Bedarf einer Gefäßdilatation beziehungsweise Stent-Implantierung oder einer Bypass-Operation zu bestimmen. Danach sollte sich ja eine möglichst individuell abgestimmte medikamentöse Therapie richten.

Die Autoren der Studie unter Federführung von Georg Goliasch nahmen insgesamt 547 derartige Patienten auf und überwachten sie im Durchschnitt 11,3 Jahre lang. Aus den verschiedensten Daten wurden schließlich an Parametern das Alter, die Pumpfunktion der linken Herzkammer, die Konzentration des Cholinesterase-Enzyms (aus der Leber) und des Kreatinins (Nierenparameter), die Herzfrequenz und der HbA1C-Wert (mittelfristige Blutzuckerkonzentration) als am aussagekräftigsten identifiziert.

Niessner: "Die Vorhersagegenauigkeit bezüglich des Überlebens über zehn Jahre hinweg war sehr hoch." Sie betrug 77 von 100 möglichen Punkten. Bisher verwendete Scores landeten bei einer Aussagekraft von knapp über 60 Punkten.

Die Sache wurde bereits zum Patent angemeldet. Eine aus der Skala abgeleitete und noch einmal vereinfachte Einteilung mit nach den sechs Parametern zu vergebenden Punktewerten stellte sich als fast ebenso genau heraus. Da würde bei einem Punkt das Mortalitätsrisiko eines 74-jährigen Patienten über zehn Jahre hinweg beispielsweise 37 Prozent betragen, bei fünf Punkten wegen mehrerer Risiken gar 89 Prozent. Dem entsprechend könnte die Intensität der Behandlung abgestimmt werden.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien