Neue Säuglingspuppe bereitet auf den Notfall vor

Rettet die Babypuppe; © UKG

Das Zentrum Anaesthesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin (ZARI) an der Universität Göttingen bietet in diesen Tagen den bundesweit ersten universitären Kursus für Zwischenfallmanagement in Anästhesie und Notfallmedizin mit einem Baby-Simulator an. Zwölf Anästhesisten und Notärzte können an der interaktiven Simulationspuppe "SimBaby" medizinische Notfälle trainieren.

"Man kann einem Patienten nicht zumuten, dass an ihm Notfälle geübt werden. Deshalb sind die Simulatoren so wichtig. Jeder approbierte Arzt sollte regelmäßig lebensbedrohliche Fälle an Simulatoren trainieren", sagt Prof. Dr. Bernhard Graf, Direktor der Abteilung Anaesthesiologie I. Nur etwa zwei von hundert Operationen mit Narkose werde an kleinen Kindern durchgeführt. Die Erfahrungen von Anästhesisten und Notärzten im Umgang mit Säuglingsnotfällen und -narkosen seien daher häufig gering. Kenntnisse über den erwachsenen Patienten ließen sich nicht einfach auf Säuglinge übertragen: Sie sind anders proportioniert, Medikamente müssen anders dosiert werden.

Der Ablauf eines simulierten Szenarios beschreiben die Ärzte etwa so: Das Team wird zu einem Notfall gerufen. Ein Säugling bekommt schlecht Luft. Eine Trainerin spielt die völlig verzweifelte Mutter. Das Baby wimmert. Jetzt heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Über einen Computer steuert ein zweiter Trainer die Körperfunktionen und die Reaktionen des Babys auf die Maßnahmen des Teams. Der Teamleiter muss jetzt schnelle Entscheidungen treffen und seinen Kollegen klare Anweisungen geben.

Alles wird gefilmt und aufgezeichnet. Auf dem Computer sind der Zustand des Kindes und die Erfolge der medizinischen Eingriffe gespeichert. Im Anschluss an das Szenario folgt die ausführliche Nachbesprechung. "Wir kombinieren die medizinische Simulation bewusst mit Rollenspielen, um die Authentizität zu fördern. Zusätzlich bauen wir belastende Störfaktoren ein. Der Simulator steht dann nicht mehr alleine im Mittelpunkt", sagt Dr. Christoph Eich vom ZARI.

MEDICA.de; Quelle: Universität Göttingen