Neue Schätzung über Anzahl der Erkrankten

Foto: Rote Schleife, Weltkugel, Hände

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember weist die
Deutsche AIDS-Stiftung auf die möglicherweise
steigende Hilfsbedürftigkeit gerade älterer
AIDS-Kranker hin; © panthermedia.net/huhulin

Auch die Zahl der angenommenen jährlichen Neu-Infektionen war und ist höher als bisher geschätzt. Die Deutsche AIDS-Stiftung geht aufgrund dieser Entwicklung davon aus, dass mittelfristig mehr Hilfsleistungen für eine zunehmende Zahl notleidender HIV-positiver und an AIDS erkrankter Menschen bereitgestellt werden müssen. In der Vergangenheit waren zwischen 15 und 20 Prozent der in Deutschland lebenden HIV-positiven Menschen bereits körperlich beeinträchtigt und/oder sozial benachteiligt. Da die Gesamtzahl der Menschen mit HIV/AIDS zunimmt, dürfte auch die absolute Zahl der Hilfsbedürftigen ansteigen.

Unter den Menschen mit neu diagnostizierter HIV-Infektion sind rund ein Drittel sogenannte "Late Presenter". Late Presenter werden erst in einem späten Infektionsstadium getestet und zeigen oft bereits manifeste AIDS-begleitende Erkrankungen. Die medizinische Prognose für diese Menschen ist ungünstiger, als die für erst kürzlich infizierte Personen. Viele dieser Betroffenen sind vom sozialen und materiellen Abstieg bedroht, sobald krankheitsbedingte Einschränkungen eintreten. In diesen Notfällen wird die Hilfe der Deutschen AIDS-Stiftung notwendig, soweit keine ausreichende private Absicherung oder Ansprüche auf staatliche Leistungen bestehen.

Mit den aktuell verfügbaren Therapien können die meisten HIV-positiven Menschen über Jahrzehnte behandelt werden. Dank der verlängerten Lebenszeit steigt der Anteil der Patienten, die älter sind als 50. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der erst in höherem Alter als HIV-positiv getesteten Personen zu. Betroffene aus beiden Gruppen leiden oft früher und häufiger als HIV-negative Menschen unter altersbedingten Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Herzinfarkten, Diabetes oder Schlaganfällen. Diese Entwicklung führt ebenfalls öfter zu sozialen und materiellen Notsituationen.

"Angesichts der neu veröffentlichten Zahlen und der beobachteten medizinischen Trends werden zukünftig mehr Menschen mit HIV/AIDS häufiger in Not geraten", sagt Doktor Ulrich Heide, Vorstandsmitglied der Deutschen AIDS-Stiftung. "Auch wenn es vielen Betroffenen gut geht, dürfen wir diejenigen nicht vergessen, die gesundheitlich beeinträchtigt und sozial benachteiligt sind. Wir rufen die Bevölkerung nicht nur zum Welt-AIDS-Tag dazu auf, sich gerade diesen Menschen zuzuwenden. Die Deutsche AIDS-Stiftung benötigt für Betroffene mehr Spenden, um auch in Deutschland in Zukunft ausreichend helfen zu können", appellierte er.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche AIDS-Stiftung