Neue Substanz blockiert Virenbefall

Durch Blockierung einer Schlüsselstelle auf der Zellmembran, des Korezeptors R5 (CCR5) wird das Virus am Eintritt in die Zelle gehindert. Für dieses Wirkprinzip gibt es ein Modell der Natur. Man weiß seit längerem, dass Menschen, bei denen CCR5 fehlt, nicht mit HIV infiziert werden, sondern gewissermaßen einen natürlichen Schutz besitzen. Das Fehlen des Korezeptors scheint keine negativen Folgen zu haben, denn diese Menschen führen ein normales Leben und zeigen keine Auffälligkeiten.

In zwei Studien von Professor Gerd Fätkenheuer, Infektiologe an der Uniklklinik Köln und seinem Kollegen Roy Gulick aus New York wird die Wirksamkeit von Maracviroc bei HIV- Patienten nachgewiesen, die bereits intensiv vorbehandelt waren und bei denen die herkömmlichen Medikamente nicht mehr anschlugen.

Insgesamt 1049 Patienten wurden entweder mit Maraviroc oder mit Placebo behandelt, wobei alle Patienten zusätzlich eine individuell abgestimmte Kombination bereits zugelassener Medikamente erhielten. Während in den beiden Maraviroc- Gruppen zwischen 42 und 47 Prozent der Patienten nach 48 Wochen keine nachweisbare Viruslast hatten, war dies in den Placebogruppen nur bei 16 bis 18 Prozent der Fall.

In verschiedenen Untergruppen von Patienten, die ein besonders hohes Risiko für ein Therapieversagen aufweisen, zeigte sich Maraviroc überlegen. Auch die Verträglichkeit von Maraviroc war den Forschern zufolge sehr gut.

Darüber hinaus laufen Studien, in denen das Prinzip der Präexpositionsprophylaxe, auch PREP genannt, geprüft wird. Dabei soll durch die Gabe von Medikamenten eine Infektion bei vorhandenem Risiko verhindert werden. Das Prinzip ist zum Beispiel aus der Malaria- Prophylaxe bekannt. Falls sich die grundlegende Wirksamkeit einer PREP bei HIV zeigen lässt, böte sich Maraviroc hier als Medikament an, sagen die Forscher.

MEDICA.de; Quelle: Uniklinik Köln