Neue Technik verbessert Diagnostik von Krebs der Vorsteherdrüse

Foto: Arzt berät Patienten

In Deutschland liegt die Zahl der
Neuerkrankungen an Prostata-
krebs pro Jahr bei 65 000;
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Die sogenannte „MRT-gesteuerte stereotaktische Prostatabiopsie“ bietet somit im Vergleich zu sonst üblichen Sektor- beziehungsweise Sättigungsbiopsien den Vorteil, dass der Tumor hinsichtlich Größe und Lage genau identifiziert werden kann.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In Deutschland liegt die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr bei 65 000, und mehr als 10 000 sterben jährlich an diesem Leiden. Eine auffällige Tastuntersuchung oder ein erhöhter PSA-Wert können ein Warnhinweis sein, erlauben aber keine eindeutige Diagnose. Gewissheit kann erst eine Gewebeprobe geben, die unter dem Mikroskop von Pathologen untersucht wird.

Standard ist heute bei einer Prostatabiopsie unter Ultraschallkontrolle zehn bis zwölf Gewebeproben nach einem festen Schema aus allen Bereichen der Prostata zu entnehmen. Beim Ultraschall ist es allerdings schwierig, verdächtiges von gesundem Gewebe abzugrenzen. „Es kann sein, dass ein vorhandenes Karzinom nicht erkannt und bei der Biopsie dann nicht erfasst wird“, konstatiert Doktor Winfried Willinek von der Radiologischen Universitätsklinik in Bonn. „Das bedeutet für Männer mit einem anhaltend erhöhten oder weiter steigenden PSA-Wert die Unsicherheit, ob vielleicht doch ein Karzinom vorliegt.“

Einige Studien haben eine hohe Zuverlässigkeit der diagnostischen MRT nach erfolgloser Biopsie ermittelt, wenn kein Karzinom im MRT-Bild zu sehen ist. Das bedeutet, dass in dem Fall dem Patienten eine erneute Biopsie erspart bleiben kann. Wird jedoch verdächtiges Gewebe im MRT entdeckt, ist eine Biopsie erforderlich.

Zunächst erstellen die Radiologen anhand einer MRT-Untersuchung am neuen Hochfeldtomografen ein räumliches Bild der Prostatadrüse, lokalisieren krebsverdächtige Regionen und planen den Weg dorthin am Computer. Unter MRT-Kontrolle führen sie dann eine dünne Nadel, die in einer Führungsschiene liegt, über den Enddarm zur Prostata und steuern den verdächtigen Herd nach den vorher berechneten Koordinaten punktgenau an. „So brauchen wir für eine Diagnose oft nur zwei anstelle der üblichen zehn bis zwölf Proben und lassen auch potentiell gesunde Bereiche der Prostata unangetastet“, sagt Willinek.

„Neben Hinweisen auf morphologische Auffälligkeiten liefert die Hochfeld-MRT uns zusätzlich weitere wichtige Informationen, zum Beispiel über die Durchblutung, Stoffwechsel und die Zelldichte in der Prostata. Diese nehmen auch Einfluss auf die Behandlung wie die Strahlentherapie“, sagt Willinek.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Bonn