Die neue Technik wurde von einem Forscherteam um den Bundeswehrarzt Dr. Thorsten Zehlicke unter wissenschaftlicher Begutachtung von Professor Dr. Hans Wilhelm Pau vom Universitätsklinikum Rostock entwickelt. Gemessen werden die Bewegungen des Trommelfells, die so genannte Auslenkung. Dies wird erstmalig am gesunden wie auch am kranken Trommelfell möglich, zum Beispiel wenn das Trommelfell ein Loch hat. Bislang waren verlässliche Aussagen über den Druckausgleich unmöglich. Die Technik soll künftig im medizinischen Bereich in der Chirurgie des Ohrs zum Einsatz kommen, aber auch bei Eignungstests für Piloten oder Taucher.

"Tensometrie ist, kurz gesagt, eine Technik, die den diagnostischen Blindflug in der Chirurgie des Ohrs beenden soll", sagt Dr. Thorsten Zehlicke, Bundeswehrarzt, derzeit am Universitätsklinikum Rostock beschäftigt. "Bislang war es unmöglich, verlässliche Aussagen über den Druckausgleich zwischen Ohr und Nase zu machen", so Dr. Zehlicke weiter. Bisherige mechanische Methoden zur Feststellung dieser so genannten Tubenfunktion lieferten nur Momentaufnahmen, Langzeitmessungen waren nicht möglich. Das Ergebnis: Der Erfolg von chirurgischen Eingriffen war bis zu einem gewissen Grad vom Zufall abhängig. So konnte es etwa passieren, dass die OP eines durch Unterdruck funktionsunfähig gewordenen Trommelfells wirkungslos blieb, weil durch fehlenden Druckausgleich die Krankheitssymptome nach kurzer Zeit wieder eintraten.

Kern der Tensometrie ist eine sehr dünne Folie, die mit feinen Dehnungsstreifen ausgestattet ist. Die Folie wird aufs Trommelfell aufgebracht, wo die Dehnungsstreifen die Bewegungen der Membran nach außen oder nach innen registrieren und eine Aufzeichnung auch über längere Zeiträume ermöglichen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Rostock