Brustkrebs: Neue Techniken für kürzere Bestrahlungszeiten

13.05.2013
Foto: Patientin im CT

Neue technische Verfahren erlauben jetzt eine Verkürzung der Bestrahlungszeit bei Brustkrebs-
patientinnen; © panthermedia.net/
Cathy Yeulet

Nach Brustkrebsoperationen ist fast immer eine Strahlentherapie erforderlich, um ein erneutes Tumorwachstum in der Brust zu verhindern. Die Strahlenbehandlung wird werktäglich ambulant durchgeführt und dauerte bisher immer etwa bis zu acht Wochen. Neue technische Verfahren erlauben jetzt eine Verkürzung der Behandlungszeit auf etwa vier bis fünf Wochen.

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) betont, dass diese Verfahren sicher sind und allgemein empfohlen werden können.

Eine Strahlentherapie nach Brustkrebsoperationen dauert bisher etwa sieben bis acht Wochen. Man bestrahlt zunächst immer die ganze Brust – etwa 25 bis 28 Mal. „Diese Fraktionierung, also die Aufteilung der Bestrahlung, ist notwendig, um dauerhafte Strahlenreaktionen im normalen Gewebe zu minimieren“, erläutert DEGRO-Präsident Professor Jürgen Dunst. Im Anschluss an die fraktionierte Therapie erhalten die Patientinnen noch einen sogenannten Boost, eine Dosisergänzung, meistens fünf bis acht zusätzliche Bestrahlungen auf das Tumorbett. Dabei wird ausschließlich die Stelle bestrahlt, an der sich der Tumor vor der Operation befand. „Dort ist die Konzentration von Tumorzellen, die bei der Operation nicht entfernt wurden, erfahrungsgemäß am höchsten“, sagt Dunst. An manchen Zentren wird dieser Boost bereits während der Operation als intraoperative Strahlentherapie verabreicht und führt solcherart ebenfalls bereits zu einer Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit. Im Allgemeinen sind aber zurzeit nach einer Brustkrebsoperation etwa 30 bis 35 Bestrahlungen üblich.

Inzwischen geht der Trend dahin, die Dauer der Strahlentherapie zu verkürzen. Denn die häufigen Bestrahlungstermine sind vor allem für Patientinnen mit langen Anfahrtswegen belastend. Nach Empfehlung der DEGRO und der österreichischen Fachgesellschaft ÖGRO kommen aktuell zwei Verfahren zur Verkürzung der Strahlentherapie in Frage, nämlich der simultan‐integrierte Boost (SIB) oder eine Hypofraktionierung. „Beim simultan-integrierten Boost wird die zusätzliche Bestrahlung des Operationsgebietes, die bisher erst nach der Strahlentherapie der ganzen Brust erfolgte, bereits auf die einzelnen Termine bei der Strahlenbehandlung der ganzen Brust verteilt“, erläutert Professor Rolf Sauer, Vorsitzender der DEGRO-Organgruppe Mammakarzinom aus Erlangen.

Voraussetzung für die SIB‐Technik sind moderne Bestrahlungs‐ und Planungstechniken, die mittlerweile aber in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stehen. Ein zweites Verfahren ist die sogenannte Hypofraktionierung: Dabei erfolgt die Bestrahlung der Brust jeweils mit einer etwas höheren Dosis pro Tag, und der Boost wird, wie bisher, danach bestrahlt. Die hypofraktionierte Bestrahlung ist aus Sicht der DEGRO eine Alternative vor allem für ältere Patientinnen mit einer günstigen Prognose. Je nach Verfahren, SIB beziehungsweise Hypofraktionierung, verkürzt sich die Behandlungszeit auf etwa vier bis fünfeinhalb Wochen.

Technisch möglich ist auch eine Kombination aus SIB und Hypofraktionierung. Dadurch könnte die Behandlungszeit noch weiter verkürzt werden, nämlich auf etwa drei Wochen. Erste Ergebnisse aus klinischen Studien, auch aus Deutschland, zeigen, dass diese Therapie gut vertragen wird. Noch ist aber nicht abschließend geklärt, ob es bei dieser Kombination nicht doch langfristig zu stärkeren Strahlenspätreaktionen kommen kann. „Wenn die einzelne Strahlendosis zu hoch wird, kann es Vernarbungen geben, die den Patientinnen Schmerzen bereiten und mit einem schlechten kosmetischen Ergebnis einhergehen“, warnt Professor Felix Sedlmayer, Präsident der ÖGRO. Auch sichtbare Erweiterungen von Blutgefäßen können die Kosmetik nach der Bestrahlung empfindlich stören. Extrem starke Verkürzungen der Behandlungszeit waren mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden. „Es ist deshalb ratsam, sehr stark verkürzte Behandlungsregime zunächst in klinischen Studien weiter zu erproben“, raten die Experten.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO)