Die Präzision einer drei-dimensionalen Bestrahlungsplanung wird bei Lungenkrebs von der Natur limitiert: Die Tumoren verschieben sich während der Atmung um einige Zentimeter. Damit "wandert" das Zielgebiet und kann bei zu knapp gewählten Bestrahlungsgrenzen verfehlt werden. Dann wuchern die Tumorzellen weiter. Wählt der Strahlentherapeut die Grenzen des Bestrahlungsfeldes zu großzügig, ist mit mehr Nebenwirkungen an der gesunden Lunge zu rechnen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die bildgesteuerte Strahlentherapie (IGRT = Image Guided Radiotherapy), wie Experten auf dem Europäischen Gesellschaft für Radioonkologie (ESTRO)-Kongress in Leipzig berichteten. Neuartige Linearbeschleuniger, die mit einer speziellen Röntgenvorrichtung ausgestattet sind, stellen den Tumor unmittelbar vor der Bestrahlung bildlich dar. So können "wandernde" Zielgebiete erfasst werden. Das Gerät registriert, ob die geplante mit der realen Situation übereinstimmt. Ist dies nicht der Fall, so berechnet der Computer die Abweichung und der Bestrahlungstisch verschiebt sich entsprechend.

Ebenfalls vielversprechend scheint die stereotaktische Bestrahlung zu sein. Mit Computertomogrammen und einem besonderen Planungssystem werden die genauen dreidimensionalen Koordinaten des Zielgebietes ermittelt. Um eine präzise Übertragung der geplanten Bestrahlungsdaten zu ermöglichen, wird der Körper des Patienten bei der Behandlung mit einem Rahmen fixiert. Unter computertomographischer Kontrolle werden Markierungen in diesem Rahmen dazu verwendet, die Bestrahlung punktgenau zum Tumor zu dirigieren. Meist wird dies erreicht, indem die Bestrahlung aus vielen verschiedenen Richtungen und in genau berechneten Winkeln auf den Zielort trifft.

Ein Team um Frank Zimmermann vom Klinikum rechts der Isar in München präsentierte in Leipzig eine Studie mit 68 Patienten, deren kleine Lungentumoren aus allgemeinmedizinischen Gründen nicht operiert werden konnten. In 3 bis 5 Sitzungen wurde jeweils eine hohe Strahlendosis stereotaktisch verabreicht. Nur bei vier Patienten (6 Prozent) begann in der bislang dreijährigen Nachbeobachtungszeit der Tumor erneut zu wuchern. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften