Neue Therapie bei Borderline-Störung

Foto: Frau schaut nach oben

Stimmungsschwankungen typisch
für Borderliner; © SXC

Etwa ein bis zwei Prozent der Deutschen zeigen die typischen Kennzeichen der Borderline-Persönlichkeitsstörung: Die Patienten neigen zu Stimmungsschwankungen, verletzen sich selbst oder begehen Suizidversuche. Sie leben riskant und konsumieren oft Alkohol und Drogen. In Beziehungen suchen Borderliner große Nähe, die ihnen andererseits aber auch Angst macht, sobald sie da ist.

Professor Stephan Doering, Spezialist für Psychosomatik am Uni-Klinikum Münster, untersuchte die aus den USA stammende "Übertragungs-fokussierte Psychotherapie" im Hinblick auf die Erfolgsaussichten: 104 Frauen mit einer Borderline- Störung erhielten nach dem Zufallsprinzip entweder diese Therapieform oder eine konventionelle Behandlung bei niedergelassenen Psychotherapeuten. Ergebnis: Nach einem Jahr in Behandlung ging es den Patienten, die die Übertragungs-fokussierte Psychotherapie erhalten hatten, deutlich besser. In dieser Gruppe gab es weniger Therapieabbrüche, weniger Suizidversuche und weniger Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken. Außerdem entsprachen diese Probandinnen zu einem größeren Anteil nicht mehr den diagnostischen Kriterien der Borderline-Störung und kamen im sozialen Leben besser zurecht.

Das aufwändige Forschungsprojekt erstreckte sich über sechs Jahre und stellt die erste randomisiert-kontrollierte - also auf dem Zufallsprinzip und einer Vergleichsgruppe basierende - Psychotherapiestudie an Patienten mit Persönlichkeitsstörungen dar, die in Deutschland durchgeführt wurde.

In seiner eigenen Fachdisziplin hofft der Hochschulmediziner nun auf einen Kurswechsel: "In den letzten Jahren wurden immer mehr spezielle Psychotherapien für bestimmte psychische Erkrankungen entwickelt und in ihrer Wirksamkeit überprüft. Zukünftig sollten wir uns darauf konzentrieren, Ärzte und Psychotherapeuten in diesen Verfahren auszubilden, damit die betroffenen Patienten vor Ort die optimale psychotherapeutische Versorgung erhalten können", so der Psychosomatiker.

MEDICA.de; Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster