Neue Waffe gegen die Krankenhauskeime?

Foto: Pilze

Vitamin B3 kommt unter anderem
im Geflügelfleisch, Eiern, Kaffee
und Pilzen vor;© panthermedia.net/
Vladimir Nenov

Nicotinamid wirkt unter anderem gegen diejenigen Stämme des Bakteriums Staphylococcus aureus (S. aureus), die gegen viele Antibiotika resistent sind und sich deshalb nur schwer bekämpfen lassen. Zwar tragen rund 70 Prozent aller Menschen S. aureus unbeschadet auf der Haut, bei bereits geschwächten Patienten kann das Bakterium jedoch zu Haut- und Weichgewebeinfektionen sowie zu Lungen- und Knochenentzündungen führen – deshalb sind die antibiotikaresistenten Stämme gerade in Krankenhäusern gefährlich.

"Bestimmte weiße Blutkörperchen – die neutrophilen Granulozyten – spielen im angeborenen Immunsystem eine wichtige Rolle bei der aktiven Bekämpfung schädlicher Mikroorganismen", erläutert Thoennissen. „In unseren Versuchen haben hohe Nicotinamid-Dosen die Neutrophile sowohl bei lebenden Mäusen als auch im menschlichen Blut im Reagenzglas gestärkt. Die Neutrophile schütteten dadurch vermehrt antibakteriell wirkende Stoffe aus.“ Die Vitamingabe wirkte in Experimenten gegen MRSA und gegen Pseudomonas, eine weitere Bakteriengattung, die zunehmend in antibiotikaresistenter Form auftritt.

Riskant scheinen die in den ersten Versuchen verwendeten Nicotinamid-Dosen nicht zu sein, in anderem Zusammenhang haben sie sich längst bewährt: "Vor der Bestrahlung von Krebspatienten kann Nicotinamid in hohen Dosen verabreicht werden, um das Ansprechen von bestimmten soliden Tumoren zu erhöhen", sagt der Krebsforscher Thoennissen. "Die bisher eingesetzten Dosen entsprechen etwa dem 300-fachen der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tageszufuhr". Nebenwirkungen, so Thoennissen, seien erst bei noch größeren Mengen zu erwarten, jedoch fehlen hier groß angelegte Studien.

Der neue Angriffsweg gegen multiresistente Keime könnte in Zukunft in Krankenhäusern und anderen Risikoumgebungen sowohl vorbeugend als auch therapeutisch genutzt werden. Zuvor sind klinische Studien nötig, um die Wirksamkeit am lebenden Menschen zu belegen und mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufzudecken.

MEDICA.de; Quelle: Universität Münster