Neue Wege in den Körper

Die neuen Techniken der Single Port Surgery lassen sich in drei Gruppen einordnen: Narbenfreies Operieren über natürliche Körperöffnungen (NOTES), Operationen über einen bis zu 30 Millimeter großen Einschnitt am Nabel (SILS, LESS) und eine Kombination beider Techniken. Das ausschließliche Operieren über natürliche Körperöffnungen wie Magen, Darm oder Vagina ist mit den größten Risiken behaftet. Operationen über den Bauchnabel oder eine Kombination beider Verfahren erweisen sich als effektiv und risikoarm für die Patienten.

Der Haupterfolg der minimal invasiven OP-Techniken liegt in der rascheren Erholung nach dem Eingriff. Die Single Port Surgery reduziert die Zahl der Zugänge in den Körper nun auf nur mehr einen. Gleichzeitig gilt es jedoch, Vor- und Nachteile gegenüber der klassischen, offenen oder laparoskopischen Operation im Einzelfall genau abzuwägen.

Vorstellbare Nachteile können für Patienten gravierend sein, berichten Professor Friedrich Kallinowski und Axel Mahn aus der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Asklepios Klinik Harburg. So sei heute klar, dass die Entfernung der Gallenblase via Laparoskop in der Fläche weniger Narbenbrüche, aber mehr Verletzungen der Gallenwege gebracht habe, wenn in komplizierten Fällen nicht frühzeitig auf bewährte Verfahren umgestiegen worden sei.

Auch für die Single Port Surgery zeigen sich Vor- und Nachteile deutlich. So benötigen auch erfahrene laparoskopische Operateure eine gewisse Zeit, um sich an die notwendigen Arbeitsschritte zu gewöhnen. Nicht jedem gelinge es, ohne eine gewisse Lernzeit beidhändig und mit gekreuzten Instrumenten zu arbeiten. Bei einem Eingriff etwa an der Gallenblase seien daher längere Operationszeiten als bei einer konventionell laparoskopischen Operation einzukalkulieren.

Dies führe zu höheren Kosten für die Krankenhäuser und längerer Narkosedauer für die Patienten. Die sind nach einer Umfrage jedoch zu 97 Prozent bereit, eine Erhöhung der Komplikationsrate auf drei Prozent hinzunehmen, wenn dafür die Operation ohne Narben durchgeführt werden kann und das Ziehen von Fäden und das Entfernen von Klammern entfallen.

MEDICA.de; Quelle: Asklepios Kliniken Hamburg