Neue erbliche Faktoren für die Körperfett-Verteilung gefunden

Foto: Dicke Frau mit Wein und Zigarette

Neben der Lebensweise spielen auch
die Gene eine Rolle bei zuviel Gewicht;
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Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter deutscher Leitung von Professor Iris Heid, Universität Regensburg, und Professor H.-Erich Wichmann vom Helmholtz Zentrum München hat 13 neue Genorte gefunden, die die Verteilung des Körperfetts im Bereich von Taille und Hüfte beeinflussen. Die Hälfte dieser genetischen Effekte zeigte sich verstärkt oder nur bei Frauen.

Die Wissenschaftler des GIANT-Konsortiums suchten nach genetischen Faktoren für starkes Übergewicht. In ihrer Studie berücksichtigten sie neben dem Gesamtgewicht auch die Art der Fettverteilung um Bauch und Hüfte, was ein zusätzlicher Risikofaktor für zahlreiche chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Als Maß dafür diente das Taillen-Hüft-Verhältnis: Der sogenannte Birnentyp mit mehr Fettanlagerung an der Hüfte ist unter Gesundheitsaspekten günstiger als der Apfeltyp mit höherer Fettanlagerung an der Taille.

Die persönlichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sind von entscheidender Bedeutung, welchem der beiden Typen man angehört. Doch auch genetische Faktoren spielen eine große Rolle.
„Das Besondere an den neuen Arbeiten ist, dass wir dank der sehr hohen Probandenzahl Genvarianten aufspüren konnten, die für sich genommen nur einen relativ kleinen Effekt auf das Körpergewicht haben. In einzelnen Studien hätten wir diese niemals entdeckt“, betont Wichmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München.

„Diese gigantischen Meta-Analysen sind derzeit die erfolgreichste Methode, um neue Genorte für Erkrankungen zu identifizieren und erfordern eine neue Art der internationalen Zusammenarbeit“, so Iris Heid vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg. Sie erstellte die aktuelle Arbeit federführend gemeinsam mit Doktor Cecilia Lindgren aus Oxford und Kollegen. Für den Einzelnen spielt diese Art der Genetik keine große Rolle, da im Vergleich zu den Auswirkungen der Lebensgewohnheiten die Geneffekte relativ klein sind. Für das Verständnis der Mechanismen schon: „Diese Genorte liefern uns entscheidende Hinweise, um uns auf der Landkarte der biologischen Mechanismen für Fettverteilung besser zurechtzufinden. Bis man diese Zusammenhänge genau versteht, werden allerdings noch viele ‚gigantische’ Forschungsanstrengungen nötig sein“, meint Heid und schließt an: „Es scheint ratsam, sich mit der spezifischen Biologie von Frauen und Männern stärker auseinanderzusetzen.“


MEDICA.de; Quelle: Helmholtz Zentrum München