Neue genetische Ursache entdeckt

Wenn das Gewicht nicht stimmt,
sind zum Teil die Gene schuld;
© Hemera

Ein internationales Forscherteam analysierte jetzt zum ersten Mal insgesamt rund 100.000 Genvarianten im menschlichen Erbgut. Dabei suchten die Wissenschaftler gezielt nach Auffälligkeiten, die bei Personen mit Übergewicht vermehrt auftreten. Sie entdeckten eine Erbgutveränderung in der Nähe eines Gens, das den Fettstoffwechsel steuert – die Genvariante rs7566605.

Die Forschergruppe um Professor Thomas Meitinger und Professor Erich Wichmann vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit zeigte an einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe aus der Region Augsburg, dass Personen, die diese Genvariante tragen, 30 Prozent häufiger übergewichtig sind als Personen ohne diese Genvariante. Parallel dazu untersuchten Professor Johannes Hebebrand und sein Team an der Universität Duisburg-Essen diese Genvariante bei über 368 stark übergewichtigen Kindern und ihren Eltern - und wiesen nach, dass rs7566605 von Eltern gehäuft an ihre übergewichtigen Kinder vererbt wird.

Die Untersuchungen sollen jetzt fortgeführt werden, um weitere genetische Ursachen zu identifizieren. "Wir hoffen, dass wir so die molekularen Prozesse aufklären können, die uns dick werden lassen. Das ist eine Voraussetzung, um effektive Medikamente entwickeln zu können, die Patienten mit Adipositas helfen", erklärt Hebebrand.

Ob eine Person schnell oder langsam zunimmt, wird zu circa 50 Prozent durch das Erbgut bestimmt. Es sind bereits mehrere Gene bekannt, die das Gewicht beeinflussen. Abgesehen von extrem seltenen genetischen Varianten, so genannten monogenen Formen, machen die Gene allein aber nicht dick - auch nicht die neu entdeckte Genvariante rs7566605. "Vielmehr führt die Kombination aus genetischen Faktoren und Lebensstil bei veränderten Umweltbedingungen wie einer energiereichen Ernährung und mangelnder Bewegung dazu, dass wir stark zunehmen", warnt Hebebrand.

MEDICA.de; Quelle: Projektträger im DLR